Großunternehmen vor Umwälzungen

1. September 2002, 14:58
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Zukunftsforscher Horx sieht "virtuelle Unternehmen" mit Milliardenumsätzen rund um starke Marken

Wiesbaden - Die klassischen Großunternehmen stehen nach Auffassung des Zukunftsforschers Matthias Horx vor erheblichen Umwälzungen. So werde zum Beispiel der Autokonzern Volkswagen in 15 Jahren sicherlich keine Fabriken mit 150.000 Mitarbeitern mehr betreiben, sagte Horx der Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX. Das Kerngeschäft von Volkswagen sei dann vielmehr die Führung und Entwicklung der Marke VW, das Design, die Konzeption und Vermarktung von Autos und Mobilitätssystemen. Die Fabriken würden stark automatisiert oder gemietet. Wahrscheinlich würde die Fertigung weitgehend komplett an andere Firmen übertragen werden. "Der Aufbau einer Marke ist das Entscheidende".

Die Ablösung von der Produktion werde irgendwann zu virtuellen Unternehmen führen, die mit 5 Mitarbeitern Umsätze in Milliardenhöhe erzielen. Beispiele für diese Entwicklung gebe es schon heute im Einzelhandel. "Die Wertschöpfungskette besteht dann im wesentlichen im Umgang mit Ideen, Visionen und Symbolen", sagte Horx. Dies sei das eigentlich lukrative Geschäft.

Große Veränderungen bei Banken

Auch im Bereich der Banken kündigten sich große Veränderungen an. "Die klassische Orderbank wird es nicht mehr geben, höchstens noch eine oder zwei." Zukünftig werde es zwei Arten von Banken geben. Die einen werden sich auf die persönliche lebenslange Betreuung des Kunden konzentrieren. Dieser Service, der bisher nur einem sehr vermögenden Kundenstamm zur Verfügung steht, werde dann aber schon ab einem Vermögen von 50.000 Euro angeboten werden. Die anderen Banken werden sich laut Horx als Billiganbieter ("Aldi-Bank") versuchen. Eine ähnliche Entwicklung sei heute schon im Bereich des Luftverkehrs zu beobachten.

"Die Polarisierung des Gesellschaftlichen drückt sich auch in den Märkten aus", sagte Horx. Wenn sich das Internet als Prototyp einer Netzwerktechnologie durchsetze, sei die Frage, ob Banken überhaupt noch benötigt würden. Diesem radikalen Ansatz zufolge würde ein Kleinunternehmer mit Finanzierungsbedarf nicht mehr zu seiner Hausbank gehen und um einen Kredit bitten. Vielmehr würde er sich wie schon in früheren Zeiten an ein Netzwerk wenden. Dieses würde dann nicht mehr wie einst von Freunden und Verwandten, sondern über das Internet bereitgestellt. (APA)

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