Widerstand gegen Marthalers Zürcher Abgesang

2. September 2002, 14:32
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Intendant des "Theater des Jahres" wegen sinkender Zuschauerzahlen "abgesägt" - Kulturschaffende kündigen Protestversammlung an

Zürich - Gegen die Entscheidung des Verwaltungsrats des Schauspielhauses Zürich, sich mit Ende der Saison 2002/03 von seinem künstlerischen Direktor Christoph Marthaler zu trennen, regt sich Widerstand. Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg und der Publizist Roger de Weck haben zusammen mit dem Theaterhaus Gessnerallee die Initiative ergriffen und für Dienstagabend (3.9.) eine Protestversammlung in der Gessnerallee anberaumt, wie de Weck am Sonntag mitteilte.

Entscheidung revidieren

Muschg und de Weck kritisieren das Vorgehen des Schauspielhaus-Verwaltungsrats und fordern, er solle seine Entscheidung zurücknehmen. Namhafte Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Urs Widmer, aber auch viele Jugendliche beteiligten sich an der Initiative.

Armutszeugnis für Zürich

"Es wäre ein Armutszeugnis für die reiche Stadt, wenn sie sich einen Marthaler nicht leisten könnte", heißt es laut Communique in einem Aufruf. Die Entlassung Marthalers sei die schlechteste mögliche Antwort auf leere Theatersitze. Auch die Grünen der Stadt Zürich reagieren unwirsch. "Wie mit Christoph Marthaler umgesprungen wird, ist, egal ob man ihn mag oder nicht, empörend."

Klausel eines vorzeitigen Ausstiegs im Vertrag

Die Trennung von Marthaler erfolgte laut Verwaltungsrat wegen sinkender Zuschauerzahlen und zu geringer Finanzmittel für das künstlerische Konzept des Direktors. Marthaler war mit der Saison 2000/01 als künstlerischer Direktor nach Zürich gekommen. Laut Stadtpräsident Elmar Ledergerber war damals ein Fünf-Jahres-Vertrag abgeschlossen worden mit der - beiderseitigen - Option eines vorzeitigen Ausstiegs nach drei Jahren, wenn die Evaluation der Situation dies nahe lege. Für den Abgang Marthalers sei mit diesem eine mündliche Einigung zu Stande gekommen. (APA/sda)

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    Christoph Marthaler, Direktor des Schauspielhauses Zuerich, im Oktober 1997 vor dem Zuercher Schauspielhaus. Das Zuercher Schauspielhaus war in der alljaehrlichen Umfrage deutschsprachiger Kritiker erstmals zum Theater des Jahres gewaehlt worden.

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