YLine-Gläubiger gehen zum Staatsanwalt

2. September 2002, 19:23
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Umsätze sollen künstlich generiert worden sein

Wien - Im Konkurs des vor einem Jahr in die Pleite geschlitterten Wiener Softwarehauses YLine schaltet sich nun voraussichtlich die Staatsanwaltschaft ein. Masseverwalter Christof Stapf wird im Auftrag der YLine-Gläubiger eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien übermitteln.

In dieser Darstellung bezieht sich der Masseverwalter auf ein Gutachten des Wirtschaftsprüfers Thomas Keppert. Danach könnten "im Zusammenhang mit gegenständlicher Insolvenz . . . einige unter Umständen strafrechtlich relevante Handlungen des Vorstandes der YLine Internet Business Service AG (Werner Böhm, Anm.) genannt werden".

"Es sind Umsätze künstlich generiert worden, denen kein entsprechender Cashflow gegenübergestanden ist. Das belegt das Gutachten an vielen konkreten Beispielen", betonte Stapf am Montag. YLine sei nie vom Gedanken geleitet gewesen, "Geld zu verdienen, sondern vielmehr darauf bedacht gewesen - insbesondere durch die Aufnahme von Eigenkapital am Kapitalmarkt -, eine geeignete Finanzierung der laufenden Aufwendungen sicherzustellen", so Stapf.

Liquiditätsengpass

Schon im Juli 2000 habe die YLine bereits einen enormen Liquiditätsengpass gehabt: "Das Hauptkonto der Gesellschaft war Mitte Juli 2000 bereits mit rund 48,5 Mio. S (3,52 Mio. Euro) negativ. In der Buchhaltung der Gesellschaft wurde dies allerdings nicht dargestellt." Durch die Neuausgabe von Aktien an der Easdaq seien kurz darauf wieder liquide Mittel in die YLine geflossen.

"Spätestens mit 31.12.2000" sei YLine aber objektiv überschuldet gewesen, so der Gutachter, der dem YLine-Vorstand eindeutig Konkursverschleppung vorwirft: Als Zeitpunkt für die definitive Zahlungsunfähigkeit nimmt er Ende Dezember 2000 bis spätestens Mitte Jänner 2001 an. Tatsächlich wurde der Insolvenzantrag aber erst gut ein Dreivierteljahr später gestellt.

Weitere Gutachten

Der Masseverwalter hat nun weitere Gutachten in Auftrag gegeben, die ein noch genaueres Licht auf die Erstellung der Jahresabschlüsse 1999 und 2000 und auf die Bewertung von Sacheinlagen im Vermögen der YLine werfen sollen. Auch die Verwendung jener Mittel, die YLine aus dem Börsegang lukrierte, soll genau geprüft werden.

Die Aufarbeitung der Insolvenz dürfte also noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Laut Keppert-Gutachten hat YLine bis zum Konkurs auf Basis der Zahlen der YLine-Finanzbuchhaltung Verluste von 1,2 Mrd. S (87,2 Mio. Euro) angesammelt. (APA, DER STANDARD, Printausgabe 3.9.2002)

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