Pakistan: Ex-Regierungschefin Bhutto darf nicht mehr kandidieren

2. September 2002, 16:39
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Wahlkommission lehnt auch zweiten Antrag ab

Islamabad - Die frühere pakistanische Regierungschefin Benazir Bhutto darf bei den Parlamentswahlen im Oktober nicht wieder antreten. Die im Londoner Exil lebende Politikerin scheiterte mit dem Antrag für eine Kandidatur auch im zweiten Anlauf, wie ein Sprecher der Wahlkommission in Larkana im Südwesten der Hauptstadt Islamabad am Sonntag mitteilte. Bhutto sei von einem Anti-Korruptions-Gericht wegen Nichterscheinens verurteilt worden, hieß es zur Begründung.

Aus dem gleichen Grund war Bhutto bereits am Freitag die Kandidatur untersagt worden. Machthaber Pervez Musharraf hatte Anfang Juli zudem ein Dekret erlassen, das eine Rückkehr von Bhutto und ihrem Nachfolger Nawaz Sharif an die Macht verbietet. Musharraf hatte das Gericht, das Bhutto zu drei Jahren Zwangsarbeit verurteilte, selbst eingesetzt.

Nach der Entscheidung in einer Hochburg Bhuttos stürmten hunderte ihrer Anhänger trotz einer massiven Polizeipräsenz das Büro der Wahlkommission. Die Demonstranten riefen Musharraf zum Rücktritt auf. Die Polizei schritt nach Angaben von Augenzeugen zunächst nicht ein. Bhutto war in den 90er Jahren zweimal Regierungschefin. Ihr Nachfolger Sharif wurde in einem unblutigen Militärputsch von Musharraf gestürzt. (APA)

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