Lionel Hampton gestorben

1. September 2002, 15:50
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Die Jazz- Legende gehörte zu den letzten ganz Großen aus der Goldenen Ära des Jazz...

New York - Lionel Hampton, einer der ganz Großen aus der Goldenen Ära des Jazz, ist tot. Der Vibraphonist, Schlagzeuger, Sänger und Orchesterleiter erlag am Samstag im Alter von 94 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus einem Herzversagen. Das teilte sein Manager Phil Leshin mit. "Er war ein großer Mann, ein liebenswürdiger Gentleman und einer der größten Musiker, die dieses Land jemals hervorgebracht hat", sagte Leshin. "Er hat tausende von Musikern in der Welt beeinflusst.

60 Jahre umfassende Karriere

In seiner mehr als 60 Jahre umfassenden Karriere hat "Hamp" Hampton mit dem Who's Who des Jazz von Louis Armstrong über Benny Goodman, Charlie Parker und Quincy Jones gearbeitet. Viele berühmte Jazz-Musiker gingen aus seinen Bands - vom großen Orchester bis Inner Circle - hervor: Charles Mingus, Jones, Parker, Dinah Washington, Illinois Jacquet, Dexter Gordon, Earl Bostic, Fats Navarro, Joe Williams.

Rückzug aus gesundheitlichen Gründen

In den neunziger Jahren zog sich Hampton wegen Gesundheitsproblemen zurück. Bei einem Wohnungsbrand wurde 1997 fast sein ganzer Besitz einschließlich eines großen Teils seiner Aufzeichnungen von musikalischen Arrangements zerstört.

Überwand Rassenschranken

Der laut seinem Pass am 20. April 1908 in Louisville im US-Staat Kentucky geborene Hampton bildete 1936 mit Teddy Wilson die "schwarze Hälfte" des berühmten Quartetts mit Goodman und Schlagzeuger Gene Krupa, das mit seinen öffentlichen Auftritten eine Rassenschranke überwand: Bis dahin waren schwarze und weiße Musiker kaum zusammen live aufgetreten. Pianist Wilson hatte schon zuvor mit Goodman und Krupa bei Plattenaufnahmen gespielt, weiße Musiker "informell" mit schwarzen Bands gejammt - aber bei offiziellen Auftritten schwarzer Musiker in weißen Orchestern gab es damals eine Barriere.

Botschafter Amerikas

Später wurden Hamptons Bands musikalische Botschafter Amerikas. Seine Musik war melodisch und swingend, aber das Publikum in aller Welt reagierte auch auf seine elektrisierende Persönlichkeit: Das breite Lächeln, die Energie, sein Schwung rissen die Zuhörer einfach mit. Der geborene Show-Mann spielte Vibraphon und Schlagzeug, sang und spielte einen ganz besonderen Klavierstil: Er setzte zwei Finger ein, als ob sie Vibraphon-Stöcke wären. "Als ich ein Junge war, wollte ich immer eine Show machen", sagte er einmal. "Ich mochte es schon immer, Verbeugungen zu machen."

"Flying Home"

1937 entstand seine bekannteste Komposition, "Flying Home". Er schätzte einmal, dass er das Lied danach ein halbes Jahrhundert lang 300 Mal im Jahr bei seinen Konzertreisen gespielt habe. Hampton, Anhänger der Republikaner, spielte im Weißem Haus vor acht Präsidenten: Harry Truman, Dwight Eisenhower, Lyndon Johnson, Richard Nixon, Jimmy Carter, Ronald Reagan, George Bush und Bill Clinton. 1997 verlieh ihm Bill Clinton ihm die National Medal of Arts und würdigte ihn als "Löwen der amerikanischen Musik". 1985 wurde er von den Vereinten Nationen zum "Musikbotschafter" ernannt. (APA/AP)

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