"Wir können den Frauen Perspektiven bieten!"

2. September 2002, 08:56
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Häusliche Gewalt in Rumänien wird nicht gesehen, nicht erkannt und nicht verfolgt - die "Casa GRADO" bietet dennoch Schutz und Hilfe für misshandelte Frauen

Der UNICEF Report aus dem Jahre 1999 spricht eine deutliche Sprache: die Zahl der weiblichen Opfer von häuslicher Gewalt hat sich in den Jahren zwischen 1996 und 1998 verfünffacht und die Tendenz ist weiterhin steigend. 13 Prozent dieser Frauen starben.

Dennoch gibt es bis heute kein wirkliches Gesetz gegen häusliche Gewalt, sondern "nur" Richtlinien bezüglich der Sicherheit der Opfer.

Die Polizei als Beschützer - der Umstände

Deshalb müssen hier die Frauen die Initiative übernehmen. Mit der Berufung auf Gesetze gegen Körperverletzung und psychischer Gewalt etc. können sie die RichterInnen zur Verfolgung der Täter zwingen. Aber ohne ihr Zutun passiert gar nichts.

Unter anderem auch aus diesem Grund wird nur ein Bruchteil der Übergriffe der Polizei gemeldet. Tatsächlich scheint die Exekutive noch immer davon überzeugt zu sein, dass Gewalt in der Familie Privatsache sei und damit aus ihrem Handlungsspielraum falle. Viele Frauen und Organisationen, die mit misshandelten Frauen arbeiten, berichten von solchen Fällen.

"Die Frauen selber müssen bei der Polizei Druck machen, sonst passiert gar nichts. Selbst dann, wenn sie alles der Polizei erzählen, kann es sein, dass sich da nichts rührt. Am besten ist es, wenn sie so oft wie möglich einfach hingeht und ihre Geschichte erzählt" meint Roda, Mitarbeiterin von GRADO. Die Juristin arbeitet bereits seit zwei Jahren bei der 1994 gegründeten rumänischen Menschenrechtsorganisation und kennt die Umstände.

"Um die Frauen besser erreichen zu können, haben wir jetzt begonnen, ein Projekt direkt an den Arbeitsstätten der Frauen zu organisieren. Das bedeutet, dass unsere Expertinnen direkt vor Ort Beratung und Information zu Gewalt in der Familie anbieten. Leider trauen es sich die Frauen so in der Öffentlichkeit kaum, über ihre private Situation zu sprechen. Dennoch wissen sie durch die Veranstaltungen, dass es die "Casa GRADO" gibt."

Was passiert in der "Casa GRADO"?

Das Tageszentrum "Casa Grado" in der Bukarester Innenstadt bietet Frauen zumindest für einen Tag Zufluchtsort aus ihrem Alltag und Ansprechstätte bei Sozialarbeiterinnen und Juristinnen. Roda: "Unsere Expertinnen besprechen einmal die Lage, in der die Frauen stecken und versuchen einen Weg aus dieser Situation zu finden. Wenn es bereits körperliche Übergriffe gegeben hat, gehen wir mit ihnen zum Arzt. Was überaus wichtig ist, da für die Bestrafung der Täter in Rumänien das Ausmaß der Verletzungen ganz ganz wichtig ist."

Den einzigen Ausweg für die Frauen aus solchen Situationen liegt für GRADO im Gerichtsverfahren und einer darauf folgenden Scheidung. "In Rumänien haben wir leider keine verbindlichen staatlichen Programme, die mit Tätern arbeiten. Wir von GRADO machen das schon, aber erst, wenn sich die Täter in Haft befinden."

Leider müssen die Frauen oft noch während der langen Zeit bis zur Scheidung mit ihrem Misshandler zusammen leben, da es in ganz Rumänien viel zu wenig Wohnraum gibt und die Preise innerhalb der letzen Jahre drastisch gestiegen sind. "Für Härtefälle haben wir einen Fonds" erzählt Roda, "der einige Frauen pro Jahr bei der Beschaffung und Erhaltung einer neuen Wohnung unterstützen kann. Leider ist aber immer zu wenig Geld für alle da."

Aus- und Weiterbildung für die Frauen

Viele der misshandelten Frauen stehen aber in einem massiven Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Partner. Um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können, helfen die Expertinnen von GRADO, einen Job beziehungsweise eine Zusatzausbildung zu finden. "Vielen Frauen fehlen einfach oft die Perspektiven, um sich von ihrem gewalttätigen Mann zu lösen. Die können wir ihnen aber hier bieten!"

(e_mu)

Diese Frauen können Perspektiven bieten: die Mitarbeiterinnen von GRADO.

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