Haider bekräftigt Bruch mit der Bundespartei

1. September 2002, 10:50
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Kärntner Landeshauptmann "tief enttäuscht" - Wäre bei Wahlniederlage bereit, "den Stein wieder auf den Berg zu bringen"

Wien - FP-Altparteiobmann Jörg Haider hat den Bruch mit der Bundespartei am Samstag bekräftigt. "Ich werde niemanden mehr stören", so Haider im ORF-Radio. Allerdings ist Haider bereit, die Partei nach einer etwaigen Niederlage bei der Nationalratswahl 2003 wieder zu übernehmen. Eine schwere Attacke ritt Haider gegen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) und die ÖVP.

Die Volkspartei habe die Steuerreform nie wirklich angestrebt, beklagte Haider. Dem Finanzminister unterstellte er den fehlenden Draht zum "kleinen Mann": "Der hat sicherlich sein Leben lang in Wohlstand gelebt und hat nie wirklich Probleme bewältigen müssen."

"Tief enttäuscht"

"Ich habe das Gefühl, dass auch die Herkunft ein bisschen die Entscheidung prägt. Wer nur in Wohlstand und in Luxus lebt, der weiß nicht, wie es Menschen geht, die mit wenig Geld auskommen müssen", meinte Haider. Von seiner Partei zeigte er sich "tief enttäuscht": "Was mich wirklich bedrückt ist die Tatsache, dass meine Partei unseren politischen Gegnern auf den Leim gegangen ist. Dass meine Partei sich mit unseren Gegnern verbündet hat, um mich so zu sagen zur Strecke zu bringen."

Seinen Rückzug aus der Bundespolitik hält Haider aufrecht. Er habe sich nach einem langen Entscheidungsprozess gesagt: "Ich muss in dieser Frage nachgeben, sonst bleibt von der FPÖ nichts mehr übrig", betonte der Kärntner Landeshauptmann. Einen Sonderparteitag plane er nicht, so Haider. Eine entsprechende Initiative des Kärntner Landesparteichefs Martin Strutz sei ihm nicht bekannt.

Aufhorchen ließ Haider mit der Ankündigung, nach einer etwaigen Wahlniederlage im kommenden Jahr wieder als Parteiobmann zur Verfügung zu stehen: "Da wirds kein großes Gedränge geben", meinte Haider auf eine entsprechende Frage und setzte nach: "Wenn Sie so wollen bin ich sicherlich ein Sisyphus der FPÖ, der bereit ist, den Stein wieder nach oben zu bringen."

Haider sprach sich neuerlich für eine Steuerreform aus und erwartet, dass sich auch die Bundespartei nach einer gewissen "Phase der Abkühlung" wieder seiner Position annähern werde. Schließlich habe die FPÖ ein komplett anderes Wählerklientel als die ÖVP. Mit einem Volksbegehren wollte Haider nicht mehr drohen. Er selbst will nur noch insofern für eine Steuerreform kämpfen "als ich als Landeshauptmann dazu berechtigt bin". (APA)

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