Yline - Böhm schließt Konkursverschleppung aus

2. September 2002, 12:12
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Laut Gutachten soll Insolvenz bereits im Dezember 2000 vorgelegen sein - Rückzahlungsforderungen an IBM?

Rund ein Jahr nach dem spektakulären Konkurs des börsenotierten Wiener Softwarehauses Yline soll ein vertrauliches Gutachten des Wirtschaftsprüfers Thomas Keppert den Firmenchef des Ex-Börse-Darlings belasten. Laut dem Gutachten, das am Freitag im Gläubigerausschuss diskutiert wurde, soll die Insolvenz nicht erst im September 2001, sondern bereits im Dezember 2000 vorgelegen sein. Er könne sich dies "nicht vorstellen", erklärt Böhm in der Wochenendausgabe der Tageszeitung "Die Presse".

Vorwurf

Dass ihm als Konsequenz aus der Analyse Konkursverschleppung vorgeworfen werden könne, schließe er aus, schließlich habe es zum Zeitpunkt der letzten Kapitalerhöhung im April 2001 "unbestrittene Forderungen" in Höhe von 7 Millionen Euro gegeben, so Böhm, der das Gutachten noch nicht kennen will. Noch im August 2001 hatte Böhm vor Journalisten erklärt, sein Internet-Unternehmen sei für die nächsten drei Monate ausfinanziert und habe keinen Kapitalbedarf.

Was das noch unter Verschluss gehaltene Gutachten zur Frage des Verbleibs des Yline-Emissionserlöses festhält, blieb zunächst noch unbekannt.

Rückzahlung

Auf IBM könnte durch eine Vorverlegung des Insolvenzzeitpunkts Rückzahlungen an die Masse in Millionenhöhe zukommen. IBM hatte im Frühjahr 2001 Forderungen in Höhe von 14 Millionen Euro an Yline fällig gestellt. Böhm hatte daraufhin eine Schadensersatzklage in Höhe von 42 Millionen Euro angedroht, aber nie eingebracht.

Nach dem Beginn des Konkursverfahrens hatte Masseverwalter Christoph Stapf die IBM-Forderung bestritten und angekündigt, erst die Rechtmäßigkeit der Gegenforderung prüfen zu wollen. Sollte IBM bereits frühzeitig von der kritischen Lage bei Yline gewusst haben, könnte Masseverwalter Christof Stapf sämtliche Zahlungen der Yline an IBM zurückfordern, hieß es.

Informationen

Wegen der intensiven Geschäftsbeziehungen und des Wechsels von Ex-IBM-Österreich-Chef Günther Pridt zu Yline im Herbst 2000, gingen "Branchenkenner" davon aus, dass IBM gut informiert gewesen sei, scheibt die Zeitung. "Auf Grund der Dominanz als Geschäftspartner und Gläubiger könnte sich nach Expertenmeinung sogar eine eigentümerähnliche Stellung ableiten lassen." Eine Stellungnahme von IBM liegt noch nicht vor. (APA)

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    foto: barbara gindl
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