"Trash-TV ist doch gut"

2. September 2002, 10:31
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Neun Live, Christiane zu Salms "Revolution" im Privat-TV, will im vierten Quartal mit neuen Formaten "Mitmach"-SeherInnen locken - Mit Umfrage

Das Transaktions- und "Mitmach"-Fernsehens Neun Live ist für Geschäftsführerin Christiane zu Salm eine "Revolution" im Privat-TV. Die unternehmerische Herausforderung, die das TV-Projekt darstellt, sei bereits früher als von ihr erwartet bestanden worden. Nun beginne eine interessante Experimentierphase, erklärte Zu Salm der Tageszeitung "Die Welt" in einem Interview.

"Trash-TV" und "journalistisches Waterloo"

Die ehemalige TV-Station TM3 wird seit ihrer Neugründung als Neun Live vor einem Jahr als "Trash-TV" und "journalistisches Waterloo" mit Spott und Häme überzogen.

43,4 Millionen Anrufe

Im zweiten Quartal 2002 hat der Sender 43,4 Millionen Anrufe entgegengenommen. Das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber dem ersten Quartal und erstmals im siebenjährigen Bestehen des Senders ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Zu Salm geht davon aus, dass Neun Live das Jahr mit fünf Millionen Euro im Plus beenden wird. Die schwarzen Zahlen im Mai seien früher als erwartet gekommen, eine Etablierung des Transaktionsfernsehens gelungen.

"Denver Clan" lässt die Kassen klingeln

Das Geschäftsmodell des Senders hält Zu Salm für eine "Revolution" in der Branche. In einem fünfminütigen Mitmach-Block in einer Wiederholung des "Denver Clan" verdient Neun Live laut Zu Salm deutlich mehr als mit einem Fernsehblock. Pro Anruf kassiert der Sender 49 Cent, pro Tag gehen durchschnittlich 500.000 Anrufe ein.

Werbung macht nur 20 Prozent des Umsatzes aus

Nur 20 Prozent des Umsatzes kommen aus der Werbung, 55 Prozent machen die Telefongebühren aus, 25 Prozent die Vermittlung von Reisen. Dieses Geschäftsmodell sei angesichts der Werbeflaute "recht innovativ" und zudem erfolgreich. Zurzeit werde eine "richtige Direktmarketing-Abteilung" aufgebaut. Die Anrufer und Kunden sind meist zwischen 25 und 40 Jahre alt, meist männlich und Single. 30 Prozent von ihnen rufen fünf Mal pro Stunde an.

Finanzielle Konsolidierung abgeschlossen

Die Phase der finanziellen Konsolidierung sei bereits abgeschlossen, verriet Zu Salm der "Welt". Nun könne man experimentieren.

Neue Formate

Im vierten Quartal seien neue Formate geplant. Beispielsweise Shows mit Politikern, Leuten von der Straße oder politischen Journalisten, bei denen die Anrufer den Unqualifiziertesten rauswählen können. Der Vorwurf des Trash-TV stört sie nicht. "Trash-TV ist doch gut", erklärt die Ex-Chefin des Musiksenders MTV. (pte)

  • Am Spieltisch: "Alles auf Rot"
    foto: derstandard.at

    Am Spieltisch: "Alles auf Rot"

  • Hier spielt man "Get 4".
    foto: derstandard.at

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