Billigflieger gegen die Air France

4. September 2002, 14:59
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Fliegen war in Frankreich noch nie so günstig

In Frankreich leistet Platzhirsch Air France Widerstand gegen die neuen Billigflieger aus Nordeuropa. Passagiere zwischen Genf und Paris haben derzeit die Wahl: Zum Flugpreis von 22,5 Euro können sie sich auch zwei "Steak- Frites" (französisches Nationalgericht) leisten.

Mit diesem Tarifvergleich wirbt ein englischer Billigflieger derzeit in Frankreich auf Riesenplakaten. Andere bieten Paris-Los Angeles hin und zurück für 300 € an. Oder eine Woche Tunesien inklusive Flug für 219 €. So günstig wie heute flogen die Franzosen noch nie - wegen Lowcost-Anbietern wie Easyjet, Buzz oder Ryanair. Die nordeuropäischen und englischen Carrier sind in Frankreich zwar noch nicht stark verbreitet, da der faktische Monopolist Air France (AF) nur wenig Marktanteile abgibt.

Konkurrenzdruck drückt Preise

Der Konkurrenzdruck genügt, dass die Preise generell sinken. Auch die französische Regionalairline Air Lib verwandelte sich im Frühling in einen Billigflieger mit entsprechend dürftigem Service; Sie verbindet Paris für 29 € mit südfranzösischen Städten wie Toulouse, Lourdes oder Per 2. Spalte pignan. Air France beugt der Konkurrenz vor: Seit Jahresbeginn fliegt AF für 81 € von Paris an die Côte d’Azur (Nizza, Marseille, Toulon). "Wir wenden einzelne Lowcost-Regeln an", sagte AF-Chef Jean- Cyril Spinetta. "Sie stellen den besten Schutz gegen das Eindringen der Billigflieger in den französischen Markt dar."

Laut Spinetta hat die Konkurrenz mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV Air France schon seit Jahren gezwungen, sich auf einen Billigrivalen einzustellen. Das ist indes nur die halbe Wahrheit. In erster Linie profitiert die zu 55 Prozent in Staatsbesitz befindliche Air France vom behördlichen Schutz. So präsent die Billig-Airlines derzeit auf Werbeplakaten sind, so dürftig bleibt ihr Angebot in Frankreich, dem volumenmäßig wichtigsten Binnenflugmarkt der EU. Easyjet hat in Paris derzeit erst acht Startlizenzen (Slots). Ryanair bringt diesen Sommer englische Touristen in das Périgord-Gebiet; andere offerieren Billigflüge von Skandinavien nach Beauvais - einem Provinzflughafen, 100 km von Paris entfernt. Doch das sind nur Nischen. Die wertvollen Slots aus Paris bleiben in französischen Händen. (Stefan Brändle aus Paris, DerStandard, Printausgabe, 31.08.2002)

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Air France

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