Dickdarmkrebs großteils verhinderbar

2. September 2002, 12:40
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Wenn die Vorstufen der Tumoren entfernt werden - nach der Früherkennung

Wien - Das könnte ein enormer Fortschritt in der Krebsbekämpfung sein: "90 Prozent aller Dickdarmkrebs-Erkrankungen sind verhinderbar, wenn man die Vorstufen der Tumoren entfernt", erklärte der Ex-Präsident der europäischen Gesellschaft der Endoskopie-Spezialisten, Univ.-Prof. Dr. Friedrich Hagenmüller (Hamburg), am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Der Hintergrund: Derzeit tagen zentraleuropäische Gastroenterologie-Fachleute in Wien. Sie diskutieren die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Endoskopie sowie der Organisation von Früherkennungs- und Vorsorgemaßnahmen.

Univ.-Prof. Dr. Tomica Milosavljevic serbischer und montenegrinischer Gesundheitsminister und selbst Gastroenterologie: "Wir sind nach den politischen und wirtschaftlichen Krisen dabei, unser Gesundheitswesen auf der Basis des Bismarckschen Systems neu aufzubauen. Unsere erste Öffentlichkeitskampagne zur Krebsbekämpfung wird eine gegen Lungenkrebs sein. Doch dann folgt schon eine Kampagne gegen Dickdarmkrebs an zweiter Stelle."

"Killer"

Das ist der "Killer" laut der britischen TV-Anchorwoman Lynn Foulds-Wood: "In Großbritannien fordert nur der Lungenkrebs noch mehr Tote. Darmkrebs ist für mehr Opfer verantwortlich als Brust- und Gebärmutterhalskrebs. Ich bin dankbar, hier sein zu dürfen. Ich bin dankbar überhaupt 'sein' zu dürfen. Ich hatte Darmkrebs und könnte ganz leicht bereits tot sein. Man sieht die Erkrankung niemandem von außen an. Man muss danach suchen."

Die traurige Angelegenheit in Österreich laut Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe: "Es gibt pro Jahr rund 5.000 Neudiagnosen von Darmkrebs. Etwa die Hälfte der Patienten stirbt daran. Bei den Männern ist nur Lungenkrebs häufiger für tödliche Krebserkrankungen verantwortlich, bei den Frauen Brustkrebs. Wir reden viel über die Brustkrebs-Früherkennung. Doch wir hören fast nichts über den Darmkrebs."

Dabei hätten stünden Medizin, Gesundheitswesen und Gesellschaft die Mittel zur Verfügung, um diese Tragödien zu verhindern. Hagenmüller: "Man muss den Darm von den Vorstufen der Tumoren, den Polypen freihalten."

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen unabdingbar

Dazu sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen unabdingbar. Sevelda über die österreichischischen Empfehlungen: "Ab 40 sollte einmal im Jahr ein Stuhltest auf Blut durchgeführt werden. Ab dem 50. Geburtstag sollte jeder Mensch alle fünf bis sieben Jahre zur Endoskopie-Untersuchung des Darmes (Kolonoskopie, "Darmspiegelung", Anm.) gehen."

Darmkrebs entwickelt sich in 90 Prozent der Fälle langsam aus gutartigen Polypen. Frühzeitig erkannt, können sie sogar ohne Operation entfernt werden. Dann ist die Gefahr gebannt. - Und mit der "Vorlaufzeit" von mehreren Jahren, die ein Tumor zur Entwicklung braucht, wäre genug Spanne für die Früherkennung gegeben.

Erste Erfolge mit solchen nationalen Programmen hat bereits Tschechien. Der Prager Gastroenterologe Univ.-Prof. Dr. Julius Spicak: "Wir haben aber auch mit 800 neuen Darmkrebsfällen und 600 Todesopfern pro Million Einwohner und Jahr auch ein Problem, das nicht nur medizinische, sondern soziale Dimensionen hat."

Auch Österreich könnte auf diesem Gebiet viel besser werden. Sevelda: "Laut einer Umfrage der Österreichischen Krebshilfe kennen 76 Prozent der über 50-jährigen Österreicher die Möglichkeiten zur Darmkrebs-Früherkennung. Doch 67 Prozent der Menschen dieser Altersgruppe haben die Untersuchung noch nicht durchführen lassen." (APA)

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