Herzanfall: Risikofaktor Entzündung

1. September 2002, 14:30
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Versteckte Entzündungen könnten größere Rolle als hoher Cholesterinspiegel spielen

Boston - Unerkannte Entzündungsherde im Körper sind nach neueren Erkenntnissen ein bisher unterschätzter Risikofaktor für Herzanfälle. Nach Angaben von Wissenschaftern häuften sich in den vergangenen Jahren die Belege, dass versteckte Entzündungen offenbar eine größere Rolle spielten als ein zu hoher Cholesterinspiegel.

"Die Auswirkungen dessen sind gewaltig", erklärt Paul Ridker vom Brigham and Women's Hospital in Boston, der bei mehreren dieser Studien federführend war. "Das bedeutet, dass wir einen völlig neuen Weg der Behandlung und Vorbeugung von Herzkrankheiten haben, den wir bisher vor allem übersahen, weil wir uns lediglich auf Cholesterin konzentrierten."

Richtlinien in den USA in Arbeit

In den USA werden derzeit Richtlinien erarbeitet, wie intensiv ansonsten gesunde Menschen vorbeugend auf solche Entzündungen untersucht werden sollen. Die Entzündungen können leicht über die ansteigenden Werte an so genanntem C-reaktivem Protein (CRP) gemessen werden.

Der Risikofaktor Cholesterin wird von den Ergebnissen nicht in Frage gestellt. Etwa die Hälfte aller Herzanfallpatienten hat aber Cholesterinwerte, die den Durchschnitt nicht überschreiten. Die Rolle der Entzündungen könnte deren Erkrankung erklären. Bei Personen mit hohem Cholesterinspiegel und Entzündungswerten fand Ridker sogar das neunfache Risiko eines Herzanfalls. Seiner Erklärung zufolge können Entzündungen Gewebeablagerungen in den Herzarterien schwächen und ablösen, so dass es leichter zur gefährlichen Pfropfenbildungen kommen kann. (APA/AP)

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