Leber und Niere reinigen den Körper

1. September 2002, 12:00
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... vor Blutreinigungstees und Entschlackungsprodukten wird deshalb eher gewarnt - es seien bloß verwässerte Abführmittel

Bad Aachen - Ernährungsexperten warnen vor Blutreinigungstees und Entschlackungsprodukten. In Wirklichkeit handle es sich bei ihnen um Abführmittel mit stark Wasser treibender Wirkung, berichtet die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Bad Achen: "Sie sind überflüssig und haben viele Nebenwirkungen." Abführmittel führten in der Regel zur Gewöhnung und sollten nur auf ärztlichen Rat für kurze Zeit eingenommen werden.

"Es ist nicht möglich, den Körper oder das Blut mit Tee zu entschlacken oder zu reinigen", betont der Sprecher der Gesellschaft, Sven-David Müller. Die Reinigung übernähmen Leber und Niere. Eine Vergiftung gebe es nur bei schweren Erkrankungen wie Leberzirrhose und chronischer Niereninsuffizienz, die eine ärztliche Therapie bis hin zur Dialyse erfordere.

Keine Schlacke im Körper

Ohnehin falle im menschlichen Organismus überhaupt keine Schlacke an, erklären die Experten. Schlacke bleibe als Rückstand im Ofen oder der Metallverhüttung zurück. Mit den Begriffen Blutreinigung und Entschlackung werde daher nur die allgemeine Verunsicherung auf Grund von angeblich Schadstoff überlasteten und rückstandsreichen Lebensmitteln ausgenutzt, um auf Kosten der Verbraucher Geld zu machen.

In den vermeintlichen Reinigungs- und Entschlackungsprodukten sind nach Angaben der Ernährungsgesellschaft häufig Brennnesselblätter, Brunnenkresse, Rhabarberwurzeln, Aloe Vera, Löwenzahnwurzeln, Birkenblätter oder Sennesblätter enthalten. Diese Pflanzenteile seien entweder als Abführmittel oder Entwässerungsmittel wirksam. Bei chronischer Anwendung könnten krampfartige Magen-Darm-Beschwerden und angesichts des Elektrolytverlustes Muskelschwäche und Störungen der Herzfunktion auftreten. (APA/AP)

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