Depressionen machen krank

1. September 2002, 13:30
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Die Gefahr für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes und Osteoporose steigt

München - Depressionen erhöhen deutlich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. "Vermutlich ist eine Herzerkrankung nach dem Suizid die zweithäufigste Todesursache bei depressiven Patienten", berichtet Hans-Peter Kapfhammer von der Psychiatrischen Klinik der Universität München. Auch die Gefahr von Diabetes und Osteoporose steigt bei depressiven Erkrankungen, wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde betont.

Den Hauptgrund für die physischen Folgen der psychischen Störung sehen die Experten darin, dass die körpereigenen Stress-Systeme bei den Betroffenen permanent aktiviert sind. Die psychisch-biologischen Mechanismen gerieten außer Kontrolle und beeinträchtigten wichtige Herz-Kreislauf-Faktoren wie Blutdruck und Blutgerinnung sowie Herzfrequenz. Hinzu komme, dass depressive Menschen überdurchschnittlich stark rauchten und sich häufig wenig bewegten.

Störungen des Hormonstoffwechsels

Störungen des Hormonstoffwechsels sind nach Angaben der Psychiater für das doppelt so hohe Diabetes-Risiko und die ebenfalls stark erhöhte Osteoporose-Gefahr bei Depressionen verantwortlich. Bei den Patienten sei die Knochendichte um rund 15 Prozent geringer als bei gesunden Menschen. Altersbedingte Knochenerkrankungen träten im Schnitt fünf bis acht Jahre früher auf als in vergleichbaren Altersgruppen. Auch dies liege vermutlich an Störungen in der Hormonausschüttung, die zunächst die Depression und später die Osteoporose auslösten.

Herzinfarkt und Diabetes sind nach Angaben der Psychiater aber nicht nur typische Folgeerkrankungen einer Depression, sondern sie lösen auch selbst Depressionen aus. Rund 25 Prozent aller zuvor gesunden Patienten zeigten unmittelbar nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt depressive Symptome. Bei einem weiteren Viertel seien zumindest erste Ansätze erkennbar, die aber zunächst noch nicht behandelt werden müssten.

Wechselwirkungen zu wenig beachtet

Diese Wechselwirkungen zwischen Depressionen und körperlichen Erkrankungen werden nach Ansicht der Experten von Psychiatern, Kardiologen und Internisten noch zu wenig beachtet. "Bei depressiven Patienten sollten die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen routinemäßig untersucht und mitbehandelt werden, bei Herzpatienten die therapiebedürftigen depressiven Syndrome", fordert daher der Geschäftsführer der Fachgesellschaft, Jürgen Fritze. (APA/AP)

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    Depressionen machen krank. Bei vielen Menschen nehmen sie wetterbedingt zu.

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