"Weltraumpapst" ist 70

1. September 2002, 19:56
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Auf Initiative Willibald Riedlers begann auch für Österreich das Weltraumzeitalter

Graz - Sein Leben lang griff er nach den Sternen und machte Graz so zu einem Zentrum internationaler Weltraumforschung: Am 1. September feierte Willibald Riedler, der "Weltraumpapst" aus Graz, seinen 70. Geburtstag.

Nachdem sich der Forscher schon vor zwei Jahren aus der Leiterposition in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie vom Institut für Nachrichtentechnik an der Grazer Technischen Universität verabschiedet hat, verließ Riedler mit Ende Juni auch das Institut für Angewandte Systemtechnik der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research und ging in Pension. Die ESA Weltraummission "Rosetta" sowie sein Engagement für junge Weltraumforscher lassen Riedler dennoch nicht ganz zur Ruhe kommen.

Auf Initiative Willibald Riedlers hat in Österreich im Jahr 1969 das Weltraumzeitalter begonnen: Damals nahm Riedler in Graz am damals neu gegründeten Institut für Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung die Professur an und baute ein entsprechendes Studium auf, das ein für Österreich völlig neues Fachgebiet der Weltraumforschung vorantrieb. Wenige Monate später wurde das erste in Graz gebaute Messinstrument für Untersuchungen im Weltraum ins All geschickt. In den darauf folgenden Jahrzehnten folgten an die 70 weitere Weltraumprojekte, an denen Riedler an federführender Stelle beteiligt war.

Flug österreichischer Messgeräte zu anderen Planeten

Seine über 30 Jahre lange Forscher- und Leitungstätigkeit in Graz führte u.a. zum Flug österreichischer Messgeräte zu anderen Planeten (1982: Venus, 1989: Mars) und zum Halley'schen Kometen (1986). Als Ergebnis dieser Arbeiten zählt Graz heute auf dem Gebiet der experimentellen Weltraumforschung zu den führenden Forschungsstätten Europas. 1991 wurde Riedler zum wissenschaftlichen Leiter des österreichisch-sowjetischen Projektes Austromir bestellt, in dessen Rahmen sich der erste österreichische Kosmonaut, Franz Viehböck, eine Woche lang in der russischen Raumstation MIR aufhielt.

Das Raumfahrtprojekt "Rosetta" der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die im kommenden Jahr eine Raumsonde in neunjähriger Reise zum Planeten Wirtanen führt, sorgt dafür, dass sich Riedler nach wie vor nicht ganz zur Ruhe setzt. Beim Experiment MIDAS, das mit Hilfe eines Rasterkraftmikroskops die Struktur des Kometenstaubs analysieren soll, ist der offiziell pensionierte österreichische "Weltraum-Papst" Willibald Riedler "Principal Investigator". Darüber hinaus engagiert er sich bei dem jährlich in Graz stattfindenden Treffen junger Weltraumforscher unter der Ägide der ESA und der Vereinten Nationen.

Fülle von Ehrungen

Aus der Fülle von Ehrungen, die Riedler im Laufe seiner Karriere zuteil wurden, seien zwei Auszeichnungen besonders hervorgehoben: Die Verleihung des Juri Gagarin-Ordens für besondere Verdienste um die Weltraumforschung und die Zuerkennung des Erwin Schrödinger-Preises - der höchsten naturwissenschaftlichen Auszeichnung Österreichs.

Univ.- Prof. Dipl. Ing. DDr. Willibald Riedler wurde 1932 in Wien geboren, wo er 1956 zuerst Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik und wenige Jahre später auch Geophysik und Meteorologie studierte. 1962 übersiedelte er ins nordschwedische Kiruna, wo er während seiner Studienzeit seine Frau Lilli kennen gelernt und seine ersten Raketenstarts erlebt hatte.

Von 1975 bis 1977 hatte Riedler neben seiner Professur auch die Verantwortung als Rektor an der Technischen Universität Graz zu tragen. Von 1984 bis Ende 2000 leitete er das Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Mit 30. Juni verließ Riedler das von ihm gegründete Institut für Angewandte Systemtechnik der Joanneum Research. (APA)

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    Archivbild Willibald Riedler

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