Die zweifellos besten Jazz-CDs der Woche

6. September 2002, 11:46
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Nils Landgren, Dave Douglas und Endresen/Wesseltoft

NILS LANDGREN: Sentimental Journey (ACT/Edel) Tja. Eher kennt man Nils Landgren als funkigen Druckspieler auf dem Parkett des Groovigen. Doch der Mann mit der roten Posaune hat offenhörlich auch eine dezente Seite und ein Herz, das für die alten Hadern des Great American Songbook schlägt. Nun, damit wäre er nicht alleine. Das Besingen der alten Geschichten ist zur Zeit im Trend (Diana Krall, Jane Monheit, Dee Dee Bridgewater und Natalie Cole). Aber wie das Herz hier schlägt! Plötzlich hört man da einen relaxten Stilisten, der auf unaufgeregte Art und Weise in die Gefühlswelt der Songs eintaucht und auch bei Liedchen, zu denen es genug Referenzversionen gibt, durch Minimalismus und Sparsamkeit betört. Landgren klingt, als hätte er schon Jahrzehnte vokaler Erfahrung in der Kehle. Er will, muss nichts beweisen. Die Kunst der charmanten Heiserkeit kommt hier ohne jede Aufdringlichkeit daher, jeder Song hat ein eigenes Arrangement, und auch auf der Posaune ist Landgren hier ein balladesker Filigrankünstler. Das kleine Extrawunder, das sich zwangsläufig ergibt: Auch der platte Discohammer I Will Survive wird in Landgrens Version zu einem netten Song in der Tonart des Souldisco.

DAVE DOUGLAS: The Infinite (BMG) Die Trompete scheint zum Instrument der Restauration geworden zu sein - seit Wynton Marsalis. Gottlob gibt es Leute wie Dave Douglas. Als echter Zeitgenosse verfügt er über eine makellose Technik, kennt die Jazzhistorie, flüchtet aber nicht, wenn es darum geht, auf dem Feld der Moderne zu bestehen. Auch hier ist er allerdings nicht zwanghaft unterwegs. Tradition und Gegenwart sind einfach ein Gedankenvorrat, aus dem er schöpft, um dann subjektiv zu gestalten. So hört man hier hardboppige Bläsersätze, ein E-Piano, das uns malerisch in die frühen 70er entführt, auch Jazzrock-Flair darf sein. Kompakte Sache, gediegene Arbeit eines Miles-Davis-Fans.

ENDRESEN/WESSELTOFT: Out Here. In There. (Universal) Bugge Wesseltoft, Keyboarder mit dem Hang zu Soundspielen und Clubgrooves, trifft hier wieder einmal die bemerkenswert herbe Stimme von Sidel Endresen. Um die elegant-verschlafen klingende Dame inszeniert Bugge eine Welt der Atmosphären, durch die Endresen mit lakonischer Präsenz schwebt. Alles kommt hier auf Zehenspitzen daher, agiert am Rande der Stille, ist aber ungemein wirkungs- und substanzvoll. Eine Partnerschaft fürs Dezente. (tos/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 9. 2002)

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