Wein zu Wasser

3. September 2002, 12:31
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Das Hochwasser in Kamptal und Wachau und die Folgen für den Wein

Es ist schwierig, angesichts von zerstörten Existenzen und dem Verlust von Menschenleben die Auswirkungen des Hochwassers auf den Weinbau korrekt zu bemessen. Noch dazu, wo der Weinbau als solcher im Großen und Ganzen nur wenig beeinträchtigt wurde - ganz im Gegenteil zu vielen Winzern als Bewohner von überfluteten Häusern, als Besitzer von zerstörten Kellern, als Menschen, deren Zeug unter stinkendem Schlamm begraben wurde.

Die Schäden in den Weingärten wirken zwar wenig beeindruckend - im Gegensatz zu den bis zu 5000 Hektar, die heuer vom Hagel zerstört wurden, beschränken sich die Schäden der Flut auf einige hundert Hektar, völlig vernichtet wurden ungefähr fünzig -, dafür aber umso nachhaltiger: Steinterrassen in der Wachau wurden unterspült und weggerissen, problematisch vor allem dort, wo man mit Traktoren nicht hinkommt, "da gibt's jetzt drei bis vier Jahre nichts", meint Toni Bodenstein vom Weingut Prager. Rudi Pichler aus Wösendorf wurden durch die 282,5 Liter Niederschlag mehr als 400 Quadratmeter Terrassen-Weingarten weggeschwemmt, "und wenn man mit Errichtungskosten von 100 bis 150 Euro pro Quadratmeter rechnet, kann es sein, dass sich kleinere Betriebe das nicht mehr antun wollen".

Generell seien Mut und Zuversicht aber wieder vorhanden, so Toni Bodenstein, vor allem "weil die Hilfeleistung einzigartig ist". Außerdem sei die Solidarität enorm, ihm selbst wurde etwa von Altmann bis Hirtzberger angeboten, deren Infrastruktur zu nutzen, wenn die Schäden im Keller (Bodenstein schätzt sie auf 150.000 Euro) nicht bis zur Lese zu beheben sind. Darüber hinaus sei ein Assistenz-Dienst des Bundesheeres zur Neuerrichtung der Terrassen - sie sind Weltkulturerbe - im Gespräch, und vom Budget der Qualitätsförderungs-Aktion der EU erwarte man sich auch ein bisschen etwas, so Thomas Klinger von der Österreichischen Weinmarketing Gesellschaft. Meiden solle man die Regionen wegen Betroffenheit auf keinen Fall, so Bodenstein, "sondern in Anspruch nehmen, was nur geht. Weil sonst ist die Region tot". Klingt makaber, aber: Der Jahrgang 2002 sieht bis jetzt übrigens sehr gut aus, meint der Winzer. (derStandard/rondo/30/8702/floh)

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