Die rote Alternative

3. September 2002, 09:49
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Eveline und Mario Bach bauen in Wien Hirschstetten Paradeiser an. Und zwar an die 50 verschiedene, alte Sorten, mit tollen Namen, verrückten Formen und wahrhaftigem Geschmack

Die Leute würden schon auch vom Namen her kaufen, und natürlich aufgrund der Optik, sagt Mario Bach, und deswegen sei der Paradeiser namens "Lollipop" auch relativ schnell weg gewesen. Was gut ist, denn die Früchte der alten Paradeiser-Sorten, die Eveline und Mario Bach da teils aus Hobby, teils aus Leidenschaft und teils aus Überzeugung anbauen, haben hinsichtlich Haltbarkeit gegen die Hybrid-Tomaten keine Chance. Im Gegensatz zu den Designer-Paradeisern sind "Zahnrad", "Tiger Paw" oder "Ei von Phuket" nach drei Tagen eben weich und mit Druckstellen übersäht.

"Den Kürbis habe ich schon hinter mir", lacht Eveline Bach, "von dem habe ich über hundert Sorten g'habt", von den Fuchsien wären es sogar an die 500 gewesen, "mir macht mein Beruf halt Spaß - und außerdem müsse man den Kunden ja auch immer Neues bieten". Ein Geschäft sei es dafür nicht wirklich, räumt ihr Mann Mario ein, denn die Erträge der teilweise recht krankheitsanfälligen Pflanzen seien nicht sehr hoch, "und der Markt für so was ist natürlich recht eingeschränkt". Zumindest einstweilen noch. "Ausgehen tut sich einstweilen weder das noch das", meint Mario Bach. Denn die Gemüse-Produzenten werden von den Großhändlern preismäßig derzeit ordentlich unter Druck gesetzt - 40 Cent zahlen sie für ein Viertelkilo, allerdings brutto, nach Abzug der Kosten für Verpackung und Manipulation bleiben gerade einmal 25 Cent. Weshalb es durchaus denkbar erscheint, dass die individuelle und qualitätsorientierte Alternative früher oder später ohnehin die einzige Alternative sein wird.

Behutsame Schritte in Richtung paradeisiger Bewusstseinsbildung hätten sie jedenfalls schon unternommen, erzählt Eveline Bach, ein- bis zweimal pro Jahr veranstalten sie eine große Tomaten-Verkostung mit bis zu 50 Sorten, auch wegen Geschmacksseminaren sei man mit der Agrarmarkt Austria schon im Gespräch. Ein gutes Dutzend verschiedene Sorten sind jedenfalls immer vorrätig und werden zum Einheitspreis verkauft, die gestreifte "Tigarella", die rosigen eiförmigen "Ei von Phuket", die sternförmige "Zahnrad", "Andine", die eigentlich wie ein Paprika aussieht, die gelbe "old ivory egg" oder die dunkle "De Berao Black".

Die Ansprüche der heutigen Supermarkt-Kundschaft "es muss immer alles da sein, es muss halten, und es muss billig sein", könnten all diese Sorten natürlich nicht erfüllen, so Mario Bach. Die Bio-Karte zu spielen, widerstrebt ihm aber auch, und das, obwohl seine Paradeiser - und das ist heute eher die Ausnahme! - sogar noch in echter Erde statt in Tellwolle wachsen. In Zukunft wollen die Bachs jedenfalls auch den Paprika wieder beleben, fünfzehn Sorten haben sie schon in ihren Folientunneln stehen, von teuflisch scharfen, roten und grünen Mini-Schoten bis zu milden violetten Riesen-Paprikas. "Jeder hat halt nicht so einen Vogel wie wir", meint Eveline Bach. (derStandard/rondo/30/8/02/Florian Holzer)

Gärtnerei Bach
Contiweg 165
1220 Wien
Tel.: 01/280 95 34
Mo-Sa 7-12
Mo-Fr 15-18 Uhr
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