Die kapitalen Möglichkeiten des Reichtums

15. Februar 2003, 01:17
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Frauen haben weniger Chancen, Vermögen zu erwerben – ... über die vielen Gesichter des Reichtums

Was ist Reichtum? Dieser Frage mit all ihren Facetten gehen die Armutskonferenz, ATTAC und Beigewum (Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen) im Buch „Was Reichtümer vermögen - Gewinner und VerliererInnen in europäischen Wohlfahrtsstaaten“ nach.

„Wer hat, dem wird gegeben“

Reichtum hat mehr Gesichter als Geld und Geldvermögen. Neben Besitz und Vermögen kann ein Land Reichtümer im Bereich der öffentlichen Güter und Leistungen haben. So sind ein gutes Gesundheitssystem und eine Absicherung von Risiken wie Arbeitslosigkeit und Alter Reichtums- und Wohlstandsindikatoren. Wer geringes Einkommen und geringe Bildung hat, stirbt durchschnittlich um fünf Jahre früher als diejenigen mit höherem Einkommen und höherer Bildung, haben Studien ergeben.

“Lieber reich und gesund als arm und krank“

Es geht in diesem bemerkenswert vielfältigen Buch bei Reichtum nicht in erster Linie um das ausgegebene Geld, die konsumistische Seite, sondern vielmehr um den Möglichkeitsraum, den Reichtum für die betreffenden Personen aufmacht. Karen Rowlingson untersucht, inwiefern sich Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht und Geschlechtszugehörigkeit auf die Vermögensverteilung auswirkt. Sie stellt fest, dass die Möglichkeit einer Frau, Vermögen zu erwerben, weit hinter jenen eines Mannes liegt.

Hintergrund der ökonomischen Ideologie

Die zahlreichen AutorInnen zeigen auf, wie eng individueller Reichtum von bestimmten interessensgeleiteten Strukturen unterstützt wird. Die ökonomische Ideologie wird untersucht und hinterfragt. Hinter der Möglichkeit, Reichtum anzuhäufen, stehen politische Bedingungen, die es einigen Personen/Ländern erleichtern und anderen erschweren, zu Wohlstand zu gelangen. „Reichtum definiert sich durch seine kapitalen Möglichkeiten“, heißt es im Vorwort. Das Anliegen der AutorInnen, die Macht der Möglichkeiten nicht auf einige wenige zu beschränken, sondern allen zugänglich zu machen, sollte eine Herausforderung der Politik sein. (aus)

Links

Die Armutskonferenz

ATTAC

Beigewum

Mandelbaum

ATTAC, Armutskonferenz und Beigewum (Hg.)
Was Reichtümer vermögen - Gewinner und VerliererInnen in europäischen Wohlfahrtsstaaten
Verlag Mandelbaum, 13.90 Euro
  • Artikelbild
    foto: mandelbaum
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