Mehr "Familiendelikte" in Italien

4. September 2002, 15:13
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Familienschutzverband macht Gesetzgebung verantwortlich, die in Vätern "Machtlosigkeit und Wut" hervorruft

Rom - In Italien wächst die Sorge wegen einer zunehmenden Zahl von so genannten Familiendelikten. Konflikte zwischen EhepartnerInnen und Scheidungen waren Ursache oder Auslöser des Todes oder Selbstmords von rund 700 Menschen innerhalb von sechs Jahren, berichteten italienische Medien am Mittwoch.

Für große Aufregung sorgte diese Woche der Fall eines Familienvaters auf Sardinien. Er hat seine beiden Töchter erstochen und sich anschließend das Leben genommen, um zu verhindern, dass die Ex-Frau das alleinige Sorgerecht für die Kindern bekommt.

Trennung nicht akzeptabel

In Italien stehen Familiendelikte auf der Tagesordnung, warnt der Präsident des Verbands "Ex", der sich seit 1989 mit 31.000 Scheidungsfällen in Italien beschäftigt hat. Vor allem Väter, die die Auflösung ihrer Familie nicht akzeptieren, könnten "zu eklatanten Racheakten fähig sein" und die Frau ermorden oder sie mit dem Tod der Kinder "bestrafen".

Morden mit gutem Grund?

Der Präsident des Familienschutzverbands, Fabio Nestola, machte auch die italienische Gesetzgebung für die zahlreichen Delikte verantwortlich. In zu vielen Fällen werde den Müttern das alleinige Sorgerecht zuerkannt. Die Väter seien vollkommen aus dem Leben ihrer Kinder ausgeschlossen, was in vielen Gefühle der Machtlosigkeit und Wut hervorrufe.

Der Familienschutzverband kämpft darum, dass auch in Italien beide Elternteile öfter als bisher gemeinsam das Sorgerecht für ihre Kinder erhalten. Er rief die italienischen Gesundheitsbehörden auf, PsychologInnen einzusetzen, um Konflikte zwischen Ex-EhepartnerInnen zu reduzieren. Man müsse vor allem die Kinder schützen, die am stärksten unter den Folgen der Trennung leiden. (APA)

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