"Poppitz": Die lärmenden Animateure

27. Juli 2004, 15:54
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"Poppitz" von Harald Sicheritz mit Roland Düringer: Eine derbe Urlaubssatire mit sattsam bekannten Fertigbildern

Mit ihrer Komödie "Poppitz" versuchen Harald Sicheritz und Roland Düringer an den Kassenerfolg von "Hinterholz 8" anzuschließen. Die derbe Urlaubssatire setzt dabei auf sattsam bekannte Fertigbilder.


Wien - "Ma hat's, oder ma hat's net", belehrt Autoverkäufer Gerry Schartl (Roland Düringer) die Kamera und meint damit seine beruflichen Qualifikationen. Schartl hat einiges: Talent, Kunden mittels volksnahem Schmäh zu überzeugen; ein Eigenheim, eine attraktive Frau (Marie Bäumer) - ihr Makel: "Sie is ned von do." -, eine Tochter und vor allem: endlich Urlaub.

Anderes hat Schartl nicht: Vertrauen in den Juniorchef (Alfred Dorfer), der nunmehr die Firma übernimmt; die Fähigkeit, einmal abzuschalten, zumal eine Reise in ein Alles-Inklusive-Feriendomizil bevorsteht; die innere Ruhe, die vonnöten ist, wenn dort einmal angekommen, nicht alles so läuft wie erwartet.

Es ist dieses Missverhältnis aus dem Glauben an die eigene Redlichkeit und dem Misstrauen allen Mitmenschen gegenüber, aus dem Poppitz, die neue Komödie von Harald Sicheritz nach Hinterholz 8, seine Dynamik zu beziehen sucht. Schartl fährt tatsächlich auf Urlaub, aber er nimmt nie Abschied vom Job - ein Name, der mysteriöse Poppitz, mit dem der Chef zuletzt Telefonate führte, hallt nach in der Fremde; er dient als eine Art MacGuffin, als beliebiger erzählerischer Antrieb, der den Helden beschäftigen wird - und ihn sukzessive in die Paranoia treibt.

Was in Hinterholz 8 die Kleinbürgerfantasie eines eigenes Hauses ist, die in die Katastrophe führt, ist in Poppitz nun also die Pauschalreise. Nicht nur bringt Schartl seine Berufssorgen mit, der ganze Club ist mit importierten Fertigbildern besetzt: Das fängt bei den anderen Urlaubern - arroganter Deutscher, Slackerpärchen, Proleten aus Simmering - an, setzt sich bei den Angestellten (u. a. Chinese mit kleinem Wortschatz, Terrorist mit dunkler Hautfarbe) fort und bestätigt sich in ausgesucht vulgären, oft körperbezüglichen und nur bedingt komischen Pointen.

Sicheritz geht in der Ausmalung seiner Ferienhölle nie weit genug und immer schon zu weit. Es gelingt ihm nicht, Bilder zu kreieren, die eine vorherrschende Norm überbieten - wie man sie etwa in Filmen der Farrelly-Brüder findet; umgekehrt übertreibt er die Serie an Kalamitäten derart, dass die Satire im Lärm des permanenten Animationsprogramms erstickt - Düringers Lauf in die Hysterie hätte zumindest des Kontrasts eines wirklich funktionierenden Urlaubsdomizils bedurft.

Halbherziges Pardon

Poppitz geht denn auch nie auf Distanz zu seiner Figur; im Gegenteil wird die direkte Ansprache des Publikums gesucht, wenn Schartl seine zunehmenden Entgleisungen halbherzig, die Kamera ansprechend, entschuldigt. Das mag den Performer-Qualitäten Düringers entsprechen, hat hier aber den Effekt, dass der hässliche Kleinbürger dem Gelächter preisgegeben wird, um sogleich relativierend nachzusetzen, dass sein Verhalten "unter diesen Umständen" ja ganz menschlich sei.

In manchen Momenten führt Sicheritz, der den Film insgesamt elliptischer anlegt, bisweilen gar filmische Zitate einstreut, direkt in die Psyche Schartls und lässt dessen destruktiven Fantasien freien Lauf. Ein Vorgehen, das zwar dramaturgisch kaum Sinn macht, dafür jedoch kalkulierte Schauwerte abwirft - und beweist, dass das heimische Blockbuster-Konzept einigermaßen flexibel bleibt.

So darf dann auch der zuletzt oft strapazierte Plotpoint nicht fehlen, der das Vorhergehende in "neues" Licht rückt. Das mit Poppitz entworfene Phantasma ist jedoch so nachhaltig, dass man sich hinter der falschen keine wahre Welt mehr vorzustellen vermag. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.08.2002)

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