Anonyme Geburt löst Abtreibungsdebatte aus

4. Oktober 2002, 20:51
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Tiroler SP-Politikerin will Schwangerschaftsabbrüche an Kliniken ermöglichen

Innsbruck - Anonyme Geburten sind ab sofort in allen Tiroler Krankenhäusern möglich. Gesundheitslandesrätin Elisabeth Zanon-zur Nedden (VP) hat sich mit allen Kliniken auf ein flächendeckendes Angebot geeinigt, nachdem die anonyme Geburt bisher nur vereinzelt durchgeführt worden ist. Alle anfallenden Kosten übernimmt der jeweiligen Krankenanstaltsträger.

Zanon-zur Nedden sieht in der anonymen Geburt "einen Ausweg für Frauen in verzweifelten Lagen" und ein Angebot, das Kindesweglegungen und -tötungen verhindern helfen soll. Wenig hält sie von der "medizinisch und hygienisch problematischen" Babyklappe, die derzeit in Tirol nur im Krankenhaus Lienz existiert. Die Landesrätin will mit Informationen über die anonyme Geburt (Folder, die bei Gynäkologen und in den Jugendämtern aufliegen) der Forderung nach Babyklappen entgegenwirken.

Ausdrücklich betrachtet Zanon-zur Nedden die anonyme Geburt auch als Begründung für ihre ablehnende Haltung gegenüber der neuerlichen Forderung von SP-Gesundheitssprecherin Gabi Schiessling, Abtreibungen an Tiroler Krankenhäusern zu ermöglichen.

Die SP-Landtagsabgeordnete sieht in der Argumentation der Landesrätin einen unzumutbaren Eingriff in die Wahlfreiheit der Frauen, wie diese mit einer Schwangerschaft umgehen wollen. "Man darf das nicht gegeneinander ausspielen", meint Schiessling und verweist darauf, dass die Fristenlösung auch 27 Jahre nach ihrer Gesetzeswerdung in Tirol nur eingeschränkt gelte. Die Landesrätin wälze die Entscheidung auf die ÄrztInnen ab, im Wissen, dass Abtreibungen in Tiroler Krankenhäusern von den Anstaltsträgern untersagt würden. Mit dem Verweis darauf, dass Zanon-zur Nedden in der Landesregierung auch für die Frauenpolitik verantwortlich sei, verlangt Schiessling, Zanon-zur Nedden möge endlich auch für "Schwangerschaftsabbrüche die medizinisch optimale Vorsorge treffen". Ähnlich wie Schiessling argumentiert auch FP-Tirol-Frauensprecherin Nadja Pramsoller.

(hs, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 24./25.8.2002)

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