Krise um das Erwachsenwerden

1. September 2002, 10:00
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"Quarterlife Crisis" steht für die Sinnkrise junger Leute nach der Ausbildungsphase

Frankfurt/Main - Die Pubertät ist glücklich überstanden und die Midlife-Crisis noch in weiter Ferne: Eigentlich bieten die "goldenen zwanziger Jahre" die besten Voraussetzungen für ein glückliches, entspanntes Leben. Doch immer häufiger beobachten Experten, dass aus den Problemen mit dem Erwachsenwerden noch vor dem 25. Geburtstag eine handfeste Lebenskrise entsteht.

Der Fachbegriff "Quarterlife Crisis" steht nach Angaben der Mannheimer Psychologin Christiane Papastefanou für die Sinnkrise, wenn die Ausbildungsphase zu Ende geht und sich junge Leute vor die Entscheidung gestellt sehen, ihr Leben selbstständig weiter zu gestalten. "Es geht um das altbekannte Problem des Erwachsenwerdens", sagt Papastefanou.

Ernst des Lebens

Spätestens nach der Ausbildung beginne schließlich der so genannte Ernst des Lebens: Die jungen Leute müssten einen Job finden - am besten gleich den richtigen und angesichts steigender Arbeitslosenzahlen vor allem einen sicheren. Dazu komme die Überlegung, ob und wann man eine eigene Familie gründen soll und will. Und schließlich bleibe die Frage, wie es überhaupt im Leben und mit der Zukunft weitergehe. Diese Phase dauere heute deutlich länger und sei schwieriger als noch vor einigen Jahren.

Schlechte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt Veränderte Wertvorstellungen, die Tendenz zu allgemeiner Orientierungslosigkeit und vor allem schlechte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt machten es jungen Menschen nicht leicht, ihr eigenes Leben anzupacken, betont die Expertin. Gleichzeitig gebe es heute weitaus mehr Möglichkeiten, das berufliche und private Leben zu gestalten als noch vor etwa 15 Jahren. Sich bei dieser Fülle für das gesamte spätere Leben richtig entscheiden zu müssen, setze viele unter enormen Druck.

Furcht vor finanziellem Ruin nach Scheidung

Junge Frauen machen sich Papastefanou zufolge nach Abschluss ihrer Ausbildung besonders Gedanken, wie sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Bei den Männern sei ihr aufgefallen, dass viele sich eine partnerschaftliche Bindung gut überlegten, weil sie finanziellen Ruin nach einer Scheidung fürchteten.

Eine generelle Lösung für die "Quarterlife Crisis" gebe es leider nicht, sagt die Psychologin. Sie betont, dass die Krise keinesfalls ein persönliches Versagen sei. Den jungen Leuten, die in ihre Praxis kommen, rät Papastefanou, sich von den auf sie zukommenden Veränderungen nicht einschüchtern und unter Druck setzen zu lassen. Man solle vielmehr versuchen, sie positiv für sich zu nutzen, denn keine getroffene Entscheidung sei völlig unwiderruflich. Und das Wichtigste: Jeder solle sich bewusst machen, dass ein Lebensweg auch Umwege haben dürfe. (APA/AP)

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