Spaß am Profit mit kleinen Preisen

26. September 2002, 17:10
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Der Gründer der britischen easyGroup, Stelios Haji-Ioannou, zwingt mit seinen Low-Budget-Konzepten große Unternehmen in die Knie - Ein DER STANDARD-Gespräch

Easy klingt nach der unendlichen Leichtigkeit des Seins: easyJet, easyCar, easyMoney, easyInternetCafé - easy living!

Aber Vorsicht, der Mann hinter dem Label ist alles andere als easy. Stelios Haji-Ioannou (35) lehrt mit radikal einfachen Geschäftsmodellen den Etablierten das Fürchten.

Ob Flugmultis wie Lufthansa und British Airways oder globale Autovermieter wie Avis, Hertz und Konsorten - Pantone 021C -, "vielleicht wird es eines Tages in Stelios Orange umbenannt", ist längst zum tiefroten Tuch für High-Margin-Unternehmen geworden. Seit 1. August ist easyJet mit der Übernahme der British-Airways-Tochter Go-Fly Europas größte "No Frills"-Fluggesellschaft. Mit der Option, im nächsten Jahr auch den deutschen Ableger von British Airways, die Deutsche BA, zu übernehmen, zwingt Stelios der Lufthansa eine neue Preisgestaltung auf: Die Kranich-Airline wird die überteuerten innerdeutschen Flüge kräftig nach unten revidieren müssen, um im Spiel zu bleiben.

Alles begann 1995 mit einer Erleuchtung. "Es dämmerte mir plötzlich, dass nicht jeder Business Class fliegt. Dieser Gedanke ist nicht selbstverständlich für jemanden aus reicher Familie. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man mit einer Billigfluglinie Geld machen kann."

Man kann. Stelios - der Nachname ist längst der Unaussprechlichkeit zum Opfer gefallen - rangiert auf der diesjährigen britischen Reichen-Liste auf Platz 41. Zurzeit spielt der Unternehmer zypriotischer Herkunft die beiden Flugzeugbauer Boeing und Airbus mit einem Megadeal gnadenlos gegeneinander aus: 120 Flugzeuge für sechs Billionen Dollar stehen auf dem Einkaufszettel von easyJet. Da schlagen Boeing-CEO Phil Condit und Airbus-Chief-Executive Noel Forgeard Räder vor dem mit einem Scheck wedelnden Stelios.

Hat jemand, der in sieben Jahren aus Papis Startkapital von 7,5 Mio. Dollar eine Firmengruppe mit einem Marktwert von sieben Billionen erschaffen hat, Vorbilder? - "Ja, Richard Branson."

STANDARD: Sie gelten als sehr fordernder Arbeitgeber, und das Alter jenseits der 40 scheint bei easyGroup schon eliminiert. Stelios: Ich erwarte von meinen Mitarbeitern, dass sie lange arbeiten, weil ich lange arbeite. Ich erwarte von meinen Mitarbeitern, dass sie papierlose Büros haben, weil ich ein papierloses Büro habe. Wir sind ein junges Unternehmen, also haben wir junge Mitarbeiter. STANDARD: Sie haben angekündigt, im nächsten Jahr, wenn die easyJet-Deutsche-BA-Fusion ansteht, als Chief Executive abzutreten. Mangelt es den Aktionären an Vertrauen, dass ein Start-up-Unternehmer die dann drittgrößte europäische Fluglinie erfolgreich positionieren kann? Stelios: Ich halte im Augenblick 28 Prozent von easyJet. Es ist ein Zeichen von unternehmerischer Reife, wenn das Unternehmen sich vom größten Aktionär emanzipiert und einen unabhängigen CEO an die Spitze stellt. Das sture Festhalten an den Gründungsstrukturen hat vielen Start-ups das Rückgrat gebrochen.

Wir gehen nicht in diese Falle. Ich werde mich danach auch von einem Teil meiner Anteile trennen, um meine neuen Pläne zu finanzieren. Zum Beispiel easyCinema. Wir rechnen damit, das erste Kino in sechs bis neun Monaten im Zentrum von London zu eröffnen. Wer früh über das Internet bucht, muss für die neuesten Filme nicht mehr als 35 Euro-Cent bezahlen. Der Preis verteuert sich, je enger Buchungsdatum und Besuch beieinander liegen.

Wir wollen, dass mehr Leute ins Kino gehen - der Preis soll dafür der Anreiz sein. Denn meine Erkenntnis ist: Konsumenten sind bereit, jedes Produkt zu kaufen, wenn der Preis stimmt.

STANDARD: Oder auch nicht. easyCar und easyInternetCafé sollten in diesem Jahr den Breakeven erreichen. Aber beide Unternehmen schreiben Verluste. Stelios: Im Bilanzjahr 2001 machten beide Unternehmen Verluste, das ist richtig. Für 2002 haben wir bei den Unternehmen massive Kostenkürzungen vorgenommen. easyInternetCafé ist heute die billigste Option, online zu sein. Kostengünstiger als ein eigener ISP-Anschluss. Durch das Outsourcen der Autowäsche an den Konsumenten konnten wir massiv die Mietzeiten verkürzen: bei easyCar ist es heute möglich, ein Auto für vier Stunden zu mieten. Damit konkurrieren wir mit Taxis und öffentlichem Nahverkehr. Außerdem konnten wir die Parkflächen drastisch verkleinern. Für 2002 ist der Breakeven erreichbar.

STANDARD: Erfolg scheint für Stelios easy zu sein. Worauf führen Sie das zurück? Stelios: Vielen Dank für die Blumen. Eine gute Idee in eine profitable Geschäftsidee zu verwandeln ist harte Arbeit - und natürlich auch Fun. (DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.8.2002)

Das Gespräch führte Hannelore Gude-Hohensinner

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easy.com

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