Durch die Prärie der Stadt

9. August 2003, 15:56
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Ferienziele wären unerreichbar: Auch deshalb gehört die Entwicklung der Eisenbahn museal gewürdigt - Das Wiener Straßenbahnmuseum

Dieses Museum könnte auch anders sein. Aber so, wie das Wiener Straßenbahnmuseum bei der Stadionbrücke ist, so ist es eben: Da stehen in der Remise schön renovierte Straßenbahngarnituren aus hundert Jahren (betreten verboten). Schön die Vorstellung, dass auf der offenen Plattform, die es um 1910 gab, ein Arthur Schnitzler gerade wieder zu einer Freundin unterwegs war. Oder dass in offenen Garnituren der Schaffner bei Regen Planen niederlassen konnte: der Weg durch die Stadt wie im Planwagen über die Prärie. - Schön auch die Garnituren, die um 1950 von den New Yorker Verkehrsbetrieben gekauft wurden und ihrer gepolsterten Sitze wegen bei den Wienern höchst beliebt waren.

Was fehlt, ist die historische Einbettung in eine Entwicklung des städtischen Verkehrs: dass die erste Pferdeeisenbahn zwischen 1834 und 1842 den Donaukanal mit der Jägerstraße verband (das Pferd stand zwischen den Waggons so, dass es den einen schob, den anderen zog); dass die Geschwindigkeiten durch die "Vienna General Omnibus Comp. Ltd." ehrgeizig erhöht wurden; dass um 1890 Otto Wagner sein geniales, die Stadtstruktur umspannendes Verkehrsbauwerk der Stadtbahn schuf: Dies und mehr würde den ausgestellten, prachtvollen Garnituren noch den Stadtraum und den Geschichtsraum schenken, aus dem sie gelöst wurden.

(rire/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2002)

Service
Wiener Straßenbahnmuseum,
3., Ludwig-Koessler-Platz
(U3 Schlachthausgasse),
(01) 79 09-43700.
Bis 6. Oktober
an Wochenenden und Feiertagen, 9.00-16.00
Link
austrianmuseums
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