"About A Boy": Zwei sind viel zu wenig

27. Juli 2004, 16:06
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Publikumsliebling, neu frisiert: Hugh Grant als Zyniker im Wandel in der Nick-Hornby-Adaption "About A Boy"

Bewährter Publikumsmagnet mit neuer Frisur: Hugh Grant spielt in der jüngsten Nick-Hornby-Adaption "About A Boy" einen Zyniker, der sich zum Menschenfreund wandelt.


Wien - About A Boy ist das jüngste Produkt der "Macher des Erfolgsfilms Bridget Jones" (so der Trailer). Das ist insofern treffend, als für die Regie zwar das US-Brüderpaar Paul und Chris Weitz (American Pie, Down To Earth) verpflichtet wurde, der Film jedoch wenig mit deren bisherigen Arbeiten zu tun hat. Vielmehr schließt er an jene Komödien an, die die Londoner Firma Working Title in die Oberliga des internationalen Filmgeschäfts katapultierten:

Erste Aufmerksamkeit erlangte man Mitte der 80er-Jahre als Independent Producer mit Filmen wie Stephen Frears' Mein wunderbarer Waschsalon. Der Überraschungserfolg von Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1994) lieferte schließlich die Formel für weitere Kassenschlager, die Working Title seither - und seit 1999 im Verbund mit US-Partner Universal - umsetzt: romantische Komödienstoffe, gekoppelt mit britischem Flair und internationalen Stars.

Derzeit befinden sich rund 60 Projekte in Entwicklung, vier bis fünf Filme werden pro Jahr realisiert, die Firma macht einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar. Demnächst startet die Komödie The Guru, die mit dem wachsenden Interesse am Bollywood-Kino spekuliert. About A Boy setzt dagegen ein weiteres Mal auf bereits bewährte Production Values:

Hauptdarsteller Hugh Grant wurde für die Rolle optisch aufgepeppt, seiner markanten Fönwelle beraubt und mit edler Designer-Sportswear ausgestattet. Folgerichtig dominieren weitgehend Großaufnahmen die Inszenierung - ansonsten schwelgt der Film im Vorführen schicker Innenräume und des zu den Interieurs passenden Helden.

Etwas ist trotzdem anders, der Tonfall um einiges schärfer als etwa zuletzt in Bridget Jones, und das hat wohl mit der anderen Serie zu tun, in die sich About A Boy - Produktionskosten rund 27 Millionen Dollar - einreiht:

Das Drehbuch stammt diesmal nicht von Richard Curtis. Nach Fever Pitch und High Fidelity ist About A Boy der dritte Film nach einem Roman des britischen Bestsellerautors Nick Hornby.

Handelten die früheren Hornby-Erzählungen von Männern, die gewissermaßen ihr Hobby zum Beruf machten, so führt der Held, Will (Grant), hier ein vergleichsweise leidenschaftsloses Leben. Die Notwendigkeit, für seinen Lebensunterhalt aufkommen zu müssen, wird mit dem Kunstgriff ausgeschaltet, dass er von den Tantiemen eines Weihnachtsliedes lebt, das sein Vater in den 30er-Jahren verfasste. Geld und freie Zeit hat Will, der sich als "One-Man-Show" definiert, dazu genutzt, popkulturelles Kennertum zu kultivieren.

Dieser Umstand macht den egozentrischen Zyniker auch für seine Zufallsbekanntschaft, den zwölfjährigen Marcus (Nicholas Hoult), attraktiv. Im Unterschied zu dessen depressiver Mutter Fiona (Toni Colette) verfügt Will nämlich über jenes Wissen um Trends und Moden, das der Eigenbrötler Marcus zum Überleben an seiner neuen Schule dringend benötigt.

Das "seltsame Kind" schafft es schließlich, den Enddreißiger und ewigen Teenager zu knacken. Trotz aller Glättungen und Verkürzungen, die About A Boy vornimmt, funktioniert dann doch irgendetwas an diesem Film, und es funktioniert besser als in Bridget Jones oder Notting Hill. Vielleicht liegt es daran, dass About A Boy keine Liebes-, sondern eine Freundschaftsgeschichte erzählt, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass gegen die Unbilden des Lebens "zwei einfach zu wenig" sind und man unbedingt Verstärkung braucht. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2002)

Von Isabella Reicher

Links

uip.de/ aboutaboy

about-a-boy.com

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