Wer die FPÖ wählt

13. August 2003, 20:41
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Bei keiner anderen Partei sind die Anhänger derartige Heimlichtuer wie bei der FPÖ

Schwaches Bekenntnis:

Jahrelang hatten die Wahlforscher massive Probleme, die Größe der FPÖ richtig einzuschätzen, da sich in der Sonntagsfrage (wie in der Grafik links dargestellt) immer nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Befragten zur FPÖ bekennen will. In der Hochrechnung werden daher nicht nur die Daten der Sonntagsfrage, sondern etwa auch der Abgleich mit der Erinnerungsfrage (welche Partei zuletzt gewählt worden ist) herangezogen. Das Problem: Die Enttäuschung vieler Protestwähler könnte bewirken, dass die tatsächliche Neigung, die FP zu wählen, stark gesunken ist, wenn auch nicht auf das niedrige Bekennerniveau. Bekannt haben sich im Frühjahr nur neun Prozent der von market Befragten, dazu kommen zwei Prozent Unentschlossene, die auf Nachfrage gesagt haben, die FP wäre für sie noch am ehesten wählbar.

Partei der Verlierer:

Die Grafik macht deutlich, dass sich vor allem zwei Gruppen zur FPÖ bekennen - nämlich jene Gruppen, die nichts zu verlieren haben. Da sind auf der einen Seite Geschäftsführer und Gewerbetreibende (die sich von niemandem dreinreden lassen) und auf der anderen Seite jene, die schon vieles oder alles verloren haben: Arbeitslose, einfache Arbeiter. Besonders niedrig ist das Bekenntnis zur FPÖ bei den Beamten - sie wissen, dass sie durch die FPÖ sehr wohl etwas zu verlieren haben.

Männliche Identifikation:

Was die market-Daten ebenfalls zeigen: Männer bekennen sich viel stärker (zu elf Prozent plus zwei in der Nachfrage) als FPÖ-Wähler als Frauen (sieben plus eins). Die Wahlforschung zeigt allerdings, dass die FPÖ eine Arbeitnehmerpartei ist - Arbeiterinnen und weibliche Angestellte wählen in hohem Maße blau, Pensionistinnen in einem eher geringen Maß.

Protest-Motiv:

"Der Protest gegen Privilegien und überhaupt gegen ,die da oben' bleibt ein wichtiges Motiv für FPÖ-Wähler", sagt market-Chef Werner Beutelmeyer, auch wenn jeder einzelne Privilegienfall das infrage stelle. (cs/DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.8.2002)

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