"Der Mann der tausend Filme"

7. August 2003, 11:07
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Retrospektive zum weitgehend unerforschten Tausendsassa Allan Dwan (1885 -1981)

Locarno - Die diesjährige Retrospektive am Filmfestival in Locarno gilt mit dem kanadischen Filmschaffenden Allan Dwan einem weitgehend Unbekannten. Er war ein Filmpionier, der als "Mann der tausend Filme" in die Filmgeschichte eingegangen ist - je nach Quelle, zwischen 400 und 800 Filme, kurze, mittlere und lange Kinofilme.

Allan Dwan hat die Filmgeschichte von Beginn an geprägt und sowohl in der Stummfilmzeit wie auch im Tonfilm markante Spuren hinterlassen. Weil Dwan als Unerforschter der Filmgeschichte gilt, entschloss sich das Festival Locarno zu einer Retrospektive. Regisseur Peter Bogdanovich hat sich als einer der wenigen intensiv mit dem Werk von Dwan befasst. Sein Interview-Buch "The Last Pioneer" liegt der Retrospektive, an der er selber mitgearbeitet hat, zu Grunde.

Fünf Jahrzehnte einer Karriere

Dem breiten Publikum bekannt sind nur wenige Titel aus Dwans immensem Schaffen. "The Iron Mask" mit Douglas Fairbanks in den 20er Jahren etwa, "Heidi" mit Shirley Temple in den 30ern, "The Sands of Iwo Jima" mit John Wayne in den 40ern, und so genannte B- Movies wie "Silver Lode" oder "The River's Edge" in den 50er Jahren.

Dwans Karriere erstreckt sich über fünf Jahrzehnte Hollywood-Geschichte. Viele der großen Stars dieser Zeit verdanken ihm ihre erste Rolle oder einen glänzenden Auftritt: Ida Lupino und Rita Hayworth etwa, Gloria Swanson und Douglas Fairbanks. Dwan hat viele reich gemacht - und ist selber in Armut gestorben.

45 Titel zur Auswahl

In enger Zusammenarbeit mit der Cinematheque suisse in Lausanne entstand eine Retrospektive mit rund 45 Titeln. Die Filme wurden in Filmarchiven rund um den Globus zusammengesucht. Das Festival zeigt somit erstmals eine historisch-kritische Filmauswahl, die Werke bevorzugt, welche für das große Publikum konzipiert waren.

Das Programm der Retrospektive wurde so zusammengestellt, dass es dem Zuschauer einen vollständigen Überblick über die filmische Welt von Dwan erlaubt. Western und Komödien, Auftragsarbeiten, Filme mit berühmten Stars, aber auch "one reels" aus der Pionierzeit werden gezeigt. Jedes Jahrzehnt wird filmisch dokumentiert, und das Programm will zeigen, dass es nicht nur "um die Entdeckung eines Autors, sondern um die Erforschung einer Epoche, eines Zeitraums, eines verlorenen Mythos" geht, wie das Festival schreibt.

Zwei Neuerscheinungen

Zur Retrospektive erscheinen zwei begleitende Publikationen, die als erste kritisch-literarische Auseinandersetzung mit Dwans Oeuvre gelten dürfen: Auf Italienisch erscheint "Allan Dwan - The Name Beneath the Title" (Verlag Lindau, 230 Seiten, 64 Abbildungen), auf Französisch "Allan Dwan - La legende de l'homme aux mille films" (Edition Cahiers du Cinema, 256 Seiten. 120 Abbildungen). (APA/sda)

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