Gärten fernöstlicher Stille

30. März 2007, 13:21
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Japanische Lebensart findet hierzulande immer mehr Freunde: Sushilokale haben Chinarestaurants längst überflügelt, und kontemplative Gärten faszinieren nicht nur Fernostfans

Mag es nun an unserer hektischen Zeit liegen, die immer weniger Raum zur Besinnung lässt, oder handelt es sich schlicht um eine Zeitgeisterscheinung wie das neu erwachte Interesse an Geomantie, der Lehre von der Heilung und Kraft der Erde - Fakt ist, dass der klar strukturierte Minimalismus japanischer Gärten sich auch bei uns immer größerer Beliebtheit erfreut. Allein in Wien gibt es vier öffentlich zugängliche Parks, die teilweise im japanischen Stil gestaltet wurden: allen voran der Setagayapark in Döbling, dann der Takasakipark im Kurpark Oberlaa, der japanische Garten im Schlosspark Schönbrunn und der Asia-Garten Kagran.

Was macht einen Garten japanisch?

Entgegen der landläufigen Vorstellung, dass solche Anlagen voll von Bonsais und Kirschblüten seien, ist das Hauptmerkmal eines japanischen Gartens die Reduktion auf das Wesentliche. Durch die Elimination alles Überflüssigen erreicht der japanische Gartenmeister eine Harmonie der Formen, in der jeder Stein, jeder Zweig seine bildhafte Funktion erfüllt.

Ebenso wenig, wie es einen europäischen Garten gibt, kann man von einem japanischen sprechen. Die häufigsten und bekanntesten Gestaltungstypen sind der Zengarten, der Paradiesgarten und der Teegarten.

Kare-sansui - Unterstützung der Meditation

Der ursprünglich einzige Zweck der Zengärten (Kare-sansui) bestand in der Unterstützung der Meditation, welche die buddhistische Philosophie als Weg zur letzten Wahrheit sieht. Deshalb wurden die Gärten wie Bilder komponiert, eine Meditationsbank sollte einen Blick auf das Ensemble gewähren, an eine Begehung des Gartens war nicht gedacht.

Wörtlich übersetzt heißt Kare-sansui "trockenes Wasser" - und tatsächlich arbeiten die Zen-Künstler sehr viel mit unbelebtem Material, vor allem mit Steinen, Kies und Sand. Diese lassen auch meditative Arbeitsformen zu, zum Beispiel das ständige Rechen von Mustern in den Sand.

Wasser ist Leben

Im Gegensatz zum Betrachtungsgarten prägen Wasserflächen mit Lotosblumen, Inseln und idyllischen Landschaften die Paradies- und Teichgärten. Das fließende Wasser von der Quelle bis zur Mündung soll den Betrachter an das Vorbeifließen des eigenen Lebens erinnern. Wasser spielt in der japanischen Tradition seit jeher eine große Rolle, weil es in Form der hohen Luftfeuchtigkeit, des Monsunregens und einer von Meeresküste und Inseln geprägten Landschaft allgegenwärtig ist.

Inseln sind ebenfalls von besonderer Bedutung für den japanischen Garten: Der Naturphilosoph Laotse lehrte im Daoismus das Streben nach den Inseln der Unsterblichen. Ebenso haben Brücken im Garten Symbolcharakter: Sie verbinden neben zwei Ufern auch die fassbare physische mit der unfassbaren metaphysischen Wirklichkeit. Die Verbindung mit der Natur, mit dem Göttlichen zu suchen ist eine der Hauptbestrebungen jedes japanischen Gartens. Teegärten (roji) schließlich legte man als Vorbereitungszone für die Teegesellschaft an. Neben einem Pavillon prägt sie vor allem ein ausgebauter Weg, der durch eine "wilde" Waldlandschaft führt.

Gärten der Stille

Wer selbst einen Garten im japanischen Stil anlegen möchte, dem sei das jüngst erschienene Buch "Gärten der Stille" empfohlen. Neben einem gut verständlichen Überblick über Geschichte und Philosophie japanischer Gartenanlagen widmet sich die Hälfte des reich bebilderten Bandes der Anleitung zum Do-it-Yourself. Fotos und Zeichnungen illustrieren anschaulich, wie Wege oder Teiche angelegt werden können, ein Teepavillon oder eine Steinlaterne zu errichten sind oder welche Pflanzen sich im europäischen Klima anbieten: nämlich z. B. Azaleen, Farne, Fächerahorn oder Bambus. (Marie-Therese Gudenus, DER STANDARD, Printausgabe vom 27./28. Juli 2002)

Buchtipp:
I. Schaarschmidt-Richter/M. Kazuo: "Gärten der Stille"
Augustus, 144 Seiten, EURO 16,35
ISBN 3-8043-7184-1
members.chello.at/albert/Zen/ZenGarden/
magwien.gv.at/ ma42/parks/japan

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