Die Wiederkehr des Basilisken

30. Juli 2002, 11:33
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Im Juni 1212 wurde das Ungetüm im Brunnen des Bäckers Garhibl besiegt. Grabungsarbeiten dürften den elenden Stinker wieder aufgescheucht haben - Teil IV

Wien - Das war eine elendigliche Stinkerei - damals im Jahre 1212. Denn interessanterweise ist nicht nur das Jahr bekannt, in dem der Basilisk in der heutigen Schönlaterngasse 7 beim Bäckermeister Martin Garhibl sein Unwesen trieb. Nein, genauer noch: Es war am Morgen des 26. Juni 1212 und zwar genau um 6 Uhr in der Früh, als er im Brunnen des Bäckermeisterhauses entdeckt wurde. Oder besser gesagt: erschnüffelt.

Woher man allerdings weiß, dass dieser Basilisk nicht nur schauderlich stank, sondern auch vorne wie ein riesenhafter Hahn mit drei Hörnern und hinten wie eine Kröte aussah, bleibt ein Rätsel. Denn angeblich erstarrte jeder, der das Untier ansah, sofort zu Stein.

Spiegeltrick

Jedenfalls aber war es der Bäckerlehrling Hans, der dem Basilisken schließlich einen Spiegel vorhielt, worauf das Ungetüm zerplatzte - und er selbst (der Hans) die Bäckerstochter zur Frau erhielt.

Neuerdings aber scheint der stinkerte Basilisk wieder sein Unwesen zu treiben, im Wiener Untergrund. Grabungsarbeiten dürften ihn aufgescheucht haben. Denn jetzt fährt knapp am Basiliskenhaus im Wiener Untergrund die U-Bahn-Linie U3 vorbei. Und dort haust es jetzt, das übel riechende Getier. An heißen Sommertagen riecht man es ganz genau. Viele Passagiere sind allerdings felsenfest überzeugt, dass dieser sagenhafte Stinker längst übersiedelt sei. Und zwar in die Röhren der U1.

Spiegelblank

In letzter Zeit allerdings ist hin und wieder auf der U3-Strecke quasi ein Lehrling unterwegs: der spiegelblanke Prototyp der neuen U-Bahnzüge. Und der ist voll klimatisiert, dieser neue Zug. Vermutlich ist auch das ein probates Mittel gegen Basilisken-Stinkerei. (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe 27./28.07.2002)

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