"Nix wie raus aus Orange County": Eigentlich kein Teeniefilm . . .

27. Juli 2004, 16:39
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Familienbande im Kino

Wien - Junger Mann in der Krise: Da hat Shaun (Colin Hanks) irgendwann Surf- gegen Keyboard ausgetauscht, um sein Dasein als pubertierendes, wohlstandsverwahrlostes, kalifornisches Mittelklassescheidungskind literarisch zu verarbeiten. Dann wollte er nach Stanford, um sich dort unter Anleitung des verehrten Literaturprofessors Skinner als Autor weiterzuentwickeln. Und nun hat seine Mentorin die Bewerbungsunterlagen vertauscht, Shaun wird abgelehnt und tut daraufhin alles Mögliche und mehr, um sich seinen Studienplatz doch noch zu sichern.

Obwohl sich Nix wie raus aus Orange County also zwischen Schule, Uni-Campus und Elternhaus bewegt, steht er weniger der Teenieklamotte nahe als einer Art von Social Comedy. Natürlich - es handelt sich um eine MTV-Films-Produktion - wird nicht auf musikalische Dauerbefeuerung verzichtet, natürlich hat die Geschichte eine Moral und muss auf ein "there's no place like home" zulaufen. Andererseits wird hier jedoch auf groteske Weise über den Zustand und die Befindlichkeiten von (Patchwork-) Familien und Teenagern erzählt und trotz aller Überdrehtheiten die Integrität der Figuren gewahrt.

Orange County ist noch in einem anderen Zusammenhang ein Familienfilm: Inszeniert hat Jake Kasdan. Die Besetzung ist eine Mischung aus Schauspielernachwuchs - Colin Hanks und Schuyler Fisk (eine von Sissy Spaceks Töchtern) - und zahlreichen Starauftritten von Lily Tomlin, Harold Ramis, John Lithgow, Chevy Chase oder Kevin Kline, den man auch aus den Filmen von Jake Kasdans Vater Lawrence (Grand Canyon, The Big Chill) kennt.

Der großartige Jack Black spielt einen grundfreundlichen, aber dauerzugedröhnten Tagedieb, der seinem Bruder Shaun (Colin Hanks) selbst mit besten gegenteiligen Absichten das Leben schwer macht. Der Autor des Films, Mike White, der schon für die irrwitzige Komödie Chuck & Buck verantwortlich zeichnete und wie Kasdan an der famosen TV-Serie Freaks and Geeks mitarbeitete, bürgt überdies für eigenwillige Qualitäten. Kein überragender, aber - zumal in einem derart flauen Kinomonat wie diesem - ein durchaus vertretbarer Film.(DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2002)

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    foto: uip
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