Interview mit Will Smith und Tommy Lee Jones

27. Juli 2004, 16:42
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"Wir nehmen das Leichte sehr ernst!"

"Nur im Doppelpack" lautete der Bescheid des Verleihs in Bezug auf Interviews mit den beiden Hauptdarstellern von "Men in Black II". Das macht Sinn. Schließlich lebt der Film von der Chemie zwischen Will Smith und Tommy Lee Jones. Mit ihnen sprach Frank Arnold.


STANDARD: Trotz aller einfallsreich entworfenen Außerirdischen lebt Men in Black II wieder stark von der Chemie zwischen Ihnen beiden. Wie haben Sie das zustande bekommen?

Jones (gedehnt): Wir haben uns sehr bemüht - jeden Tag.

Smith: Regisseur Barry Sonnenfeld ist die treibende Kraft hinter der Komik in diesem Film. Wenn Sie sich den Film ansehen, haben Sie den Eindruck, Tommy und ich treiben die Action voran, aber hinter der Kamera ist es wirklich ein Team, das von Barry geführt wird; Tommy und ich stecken nur den Ruhm dafür ein. Was die Chemie anbelangt, so besteht ein großer Teil von ihr in einem tiefen Verständnis der Comedy-Mathematik: Wir versuchen, so viel Kontrast wie möglich zwischen den beiden Charakteren herzustellen, auch so viel Konflikt wie möglich.

STANDARD: Den ersten Film zu übertreffen ist für kein Sequel leicht. Waren Sie von einer Fortsetzung überzeugt?

Jones: Ich war gespannt darauf, wie die Geschichte sich weiterentwickeln würde.

Smith: Sequels sind gleichermaßen Segen und Fluch. Wenn man über die Möglichkeit eines Sequels nachdenkt, heißt das, der erste Film war gut. Man versucht also, den Erwartungen der Zuschauer gerecht zu werden. Je mehr Zeit vergeht, desto besser wird der erste Film im Gedächtnis der Zuschauer - sie vergessen all die schlechten Sachen darin. Das gilt mehr noch für die Kritiker: Die schreiben grässliche Sachen über den ersten Film, dann kommt das Sequel heraus, und sie schreiben, wie wenig es den Standards genüge, die der erste Film seinerzeit gesetzt habe.

Jones: . . . das damalige Meisterwerk!

Smith: Es ist schwer, denn in ihrem Innersten wollen die Zuschauer dasselbe sehen wie im ersten Film, aber anders. Wir müssen also die Balance halten zwischen der Erschaffung von etwas Neuem und dem Hervorrufen des Gefühls, zurück nach Hause zu kommen. Wenn man Weihnachten nach Hause kommt, will man keine neue Mutter treffen, keinen neuen Vater und auch keinen neuen Onkel. Man will dieselben Leute wiedertreffen, und die Möbel sollen am selben Ort stehen. Na gut, es wäre schön, wenn der Cousin vielleicht einmal einen anderen Witz erzählen könnte, aber im Prinzip soll alles so sein, wie es letztes Mal war. Das ist der Kampf, den Sequels zu führen haben.

STANDARD: Wenn Sie eine Szene drehen, wissen Sie da schon, wie viele Lacher diese später im Kino kriegen wird?

Smith: Nein, öfter als Sie denken, ist die Szene, die das Publikum liebt, nicht die Szene, die Sie selber beim Drehen besonders toll fanden.

Jones: Wenn Sie beim Drehen einer Szene denken würden, "Das ist es! Da werden alle vor Lachen unter dem Kinositz liegen, jetzt schreiben wir Filmgeschichte!", dann machen Sie einen schweren Fehler. Sie müssen sich immer fragen, wie diene ich dieser Szene und wie dient diese Szene der Story als Ganzes.

STANDARD: Auch wenn Sie beim Drehen viel Spaß hatten: Wie ernst nehmen Sie Komödien?

Jones: Wir nehmen das Leichte sehr ernst! Im ersten Film ging es in den ersten 25 Minuten um die Prämisse, dass Außerirdische seit Jahrzehnten unter uns leben und dass die Men in Black dies regulieren. Das beinhaltet eine Bedrohung ebenso wie jede Menge Mystery. Und das ist eine wesentliche Voraussetzung für die Leichtigkeit der Comedy.

Smith: Etwas Komisches zu kreieren ist schwierig. Wenn jemand deinen Freund tötet, willst du Rache: Das ist in allen Sprachen gleich, das ist universell. Komik dagegen ist schwer zu definieren, vor allem in Amerika, weil wir uns irgendwie abschotten. Die Komik in Amerika ist anders als im Rest der Welt. Dort bezieht man die Publikumsreaktionen anderswo mit ein, während man in Amerika innerhalb der Grenzen bleibt!

Jones (im Reporterstil): Das führt zu einer anderen Frage: Der erste Film war ein weltweiter Erfolg, der neue Film ist noch besser angelaufen. Was ist universell an diesem Film?

Smith (trocken): Ich bin dir dankbar, dass du das gefragt hast, Tommy. Bei meinem Studium von erfolgreichen Filmen habe ich festgestellt, dass sie sehr selten vom Dialog dominiert werden. Es sind fast ausschließlich Filme über Events oder Monster.

Jones: Du glaubst also, dass die coolen Aliens für den Erfolg verantwortlich sind?

Smith: Ja, denn die sind wirklich eine universelle Bedrohung. Außerdem: Jeder kann nachvollziehen, was für ein Gefühl es ist, einen gigantischen Wurm durch einen U-Bahn-Tunnel zu reiten. Filme, die eher auf physische Aspekte setzen und nicht gänzlich vom Dialog abhängig sind, sind einfach universeller.

STANDARD: Wenn Sie einen Film über Außerirdische drehen, werden Sie mit der Frage konfrontiert: Was ist da draußen?

Jones: Eine Menge Raum! Ich habe keine Meinung zum Leben auf anderen Planeten.

Smith: Wir haben im Lauf der Geschichte gelernt, dass alle "wissenschaftlichen Fakten" sich als Irrtum herausstellten: Die Erde sei eine Scheibe, die Sonne drehe sich um die Erde. Warum sollte das in Zukunft anders sein? (DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2002)

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