Des Teufels Badstube

6. Juli 2002, 12:19
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Neu renoviert ist der historische Steig auf die Rax wieder eine empfehlenswerte Tour

Im Jahre 1877 kletterten die beiden Wiener Bergsteiger Wratislav Fickeis und Franz Kritschker durch die Loswand im Großen Höllental der Rax und entdeckten dabei Reste einer alten Steiganlage, die vermutlich Erzherzog Johann 1802 als Jagdsteig anlegen ließ. Da sich der Steig durch die "Teufelsbadstube" immer größerer Beliebtheit erfreute, ließ der Österreichische Touristenklub 1894 eine neue Steiganlage errichten, die nach wie vor zu den beliebtesten Touren im Raxgebiet zählt.

In den letzten Jahren allerdings musste man von einer Durchsteigung abraten, denn die Anlage war durch Wind und Wetter arg ramponiert. Nun aber präsentiert sich der Teufelsbadstubensteig im besten Zustand, denn der ÖTK hat ihn mit großem Aufwand instandgesetzt: Man verlegte 350 m Stahlseil, brachte 200 Eisensteher und 20 Trittbügel an. Die Energie lieferte ein 40 kg schwerer Generator, den man dann wieder mühsam aus der Wand bringen musste.

Ein Besuch der alten/neuen Teufelsbadstube – die trotz des eher grauslichen Namens an landschaftlicher Schönheit und Romantik kaum zu überbieten ist – verlangt allerdings absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, denn Teile des Steiges sind ausgesetzt. Wegen der Steinschlaggefahr ist ein Helm anzuraten, auch auf eine Selbstsicherung sollte man nicht verzichten.

Zwar ließe sich eine Runde über Teufelsbadstubensteig und Wachthüttelkamm absolvieren, doch diese ist relativ kurz. Besser scheint es, bis zum Ottohaus aufzusteigen dann mit der Rax-Seilbahn ins Tal zu fahren. Die Distanz zwischen Ausgangs- und Endpunkt kann man gut mit dem Autobus überbrücken.

Die Route

Vom Weichtalhaus (Busstation) marschiert man ein kurzes Stück talaufwärts, dann beginnen links der Straße die Aufstiege auf die Rax. Auf dem gelb markierten Schönbrunnersteig erreicht man das Große Höllental und wandert dieses aufwärts. Später zweigt nach links die rote Markierung zum Teufelsbadstubensteig ab, der man bis zum Fuß der Wand folgt. Ab Weichtalhaus eine Stunde. Nun geht es durch die rund 400 m hohe Wand – gut gesichert – zum Wachthüttelkamm, den man nach etwa eineinhalb bis zwei Stunden erreicht. Man hält sich rechts an die rote Markierung und steigt in weiteren 1 Stunden zum Ottohaus auf. Dann braucht man etwa eine Dreiviertelstunde bis zur Bergstation der Seilbahn, mit der man ins Tal zurückkehrt. Man kann natürlich vom Ottohaus über den gesamten Wachthüttelkamm zum Weichtalhaus absteigen. (Bernd Orfer/DERSTANDARD, Printausgabe)

Gesamtgehzeit 4 bis 5 Stunden, Höhendifferenz ca. 1100 m. Ottohaus und Gastwirtschaft in der Bergstation. Bundesamtskarte Rax-Schneeberg, Maßstab 1:25.000

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