Die im Dunkeln sieht man doch!

19. Oktober 2005, 14:54
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Schattige Gärten gelten als düster, monochrom und schwierig zu bepflanzen. Ein Vorurteil, wie der Standard herausfand: Mit ein wenig Know-how können auch dunkle Ecken Ihres Gartens zu Blickfängen werden.

Spätestens dann, wenn die Sommersonne die Temperaturen auf 35 Grad und mehr erhöht, flüchtet sich jedes vernünftige Lebewesen in den Schatten. Ansonsten schätzen die meisten Gartenfreunde die kühleren, feuchteren Ecken ihres Gartens allerdings weniger - zu hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass im Schatten kaum etwas gedeihe.

Tatsächlich gibt es zwar nur relativ wenige einjährige Blüten- und praktisch keine Wasserpflanzen, die Schatten lieben. Aber man muss nur einen Blick in Wälder und Parks werfen, um einer unendlichen Vielfalt von Pflanzen zu begegnen, die in Schattengärten gesetzt werden können.

Grundsätzlich unterscheidet man vier Intensitäten von Schatten: Lichter Schatten wird z.B. von Mauern geworfen, Streuschatten liegt unter dem Blätterdach von Laubbäumen, Halbschatten bewegt sich mit dem Lauf der Sonne weiter, und tiefer Schatten herrscht zwischen hohen Gebäuden oder unter dichten Bäumen.

Mehr Licht!

Mit einigen kleinen Tricks kann man die Lichtverhältnisse im tiefen Schatten allerdings verbessern: etwa, indem man helle Pflastersteine oder Kies verwendet, Mauern (so vorhanden) weiß streicht, oder eine Wasserfläche schafft - vorzugsweise mit bewegtem Wasser, das jeglichen Lichtstrahl reflektiert.

Die schwierigste Gartensituation - sowohl für den Gärtner, als auch für die Pflanzen - stellt trockener Schatten dar: Wo kaum Wasser auf den Boden trifft und dieses auch noch von flachwurzelnden Bäumen und Sträucher beansprucht wird, hat kaum eine andere Pflanze Überlebenschancen. Hier obliegt es dem Menschen, helfend einzugreifen, indem er die Erde verbessert und feuchtigkeitsspendenden Mulch ausbringt.

Apropos Feuchtigkeit: Mit ihr kommen praktisch unvermeidlich Algen und Moose in den Garten, die an manchen Stellen hübsch und willkommen, an anderen aber zur Gefahr werden können. Also: Wege und Stiegen immer davon freihalten!

Natürlich ist man bei der Pflanzenauswahl im Schattengarten etwas eingeschränkt - eine dunkelrote Rose wird man dort nie finden. Aber hellere Sorten, von Weiß bis Gelb, können auch mit weniger Sonne und Licht auskommen; manche gedeihen sogar unter Bäumen. Bunte Farbtupfer in dunkleren Ecken schaffen auch Veilchen und Vergissmeinnicht, Hortensien und Clematis, Tränendes Herz und Storchenschnabel, Lilien und Leberblümchen - um nur einige zu nennen.

Obwohl es also auch farbenprächtige Blütenpflanzen gibt, die sich im Schatten wohl fühlen, bilden Variationen des Blattwerkes die Eckpfeiler des Schattengartens. Große, oft breit gefächerte Blätter dienen zum Einfangen des Lichts - Paradebeispiele dafür sind die Farne mit ihren zahllosen Fiederblättchen. Diese luftigen Wedel sind der beste Gegenbeweis für die These, dass grüne Blattpflanzen langweilig seien. Und überhaupt: Wer sagt, dass Laub unbedingt grün sein muss? Glanzmispel und Feuerdorn, Stechpalme und Spindelstrauch, Fiederschaublatt und Beinwell sind einige Beispiele dafür, dass nicht nur Blüten Farbe in den Garten bringen können.

Weitere für Schattenplätze geeignete Pflanzen, Pflanzanleitungen und Pflegetipps finden Hobbygärtner im handlichen Büchlein "Schattige Gärten", das die britische Royal Horticultural Society im Dorling Kindersley Verlag heraus gebracht hat (72 Seiten, ISBN 3-8310-0105-7, EURO 9,15) (Marie-Therese Gudenus, DER STANDARD, Printausgabe vom 6./7. Juli 2002)

  • Artikelbild
    foto: montage derstandard.at
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