Karl

Studenten sollen "mitgestalten statt demonstrieren"

11. März 2010, 10:20

Wissenschaftsministerin: Bologna bietet viele Chancen für die Studierenden - Hätten Unis Aufgaben ordentlich gemacht, gäbe es Probleme nicht

Wien - Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hat anlässlich der heute, Donnerstag, in Budapest und Wien stattfindenden Bologna-Jubiläumskonferenz und den begleitenden Protestaktionen die Studenten zur Mitarbeit am neuen Studiensystem aufgefordert: "Die Studierenden sollen mitgestalten, anstatt zu demonstrieren", sagte Karl. Viele Kritikpunkte an Bologna führt die Ministerin auf die derzeitige Übergangsphase zurück, es gebe aber auch Probleme, die Bologna nur "in die Schuhe geschoben" würden.

An die Studenten appellierte Karl - noch vor Bekanntwerden der neuerlichen Besetzung an der Uni Wien -, sich aktiv einzubringen, etwa in dem bei der Ministerkonferenz eingerichteten "Public Space". "Das ist sinnvoller als zu demonstrieren." Zudem seien Studenten auch in den einzelnen Delegationen vertreten, etwa die Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) Sigrid Maurer in der österreichischen Abordnung.

"Absolventen müssen sich internationalem Wettbewerb stellen"

Karl sieht den großen Mehrwert von Bologna in der "Steigerung der Mobilität und Internationalität". Es geht darum, einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, in dem Studenten und Absolventen mobiler und ihre Studienleistungen und Abschlüsse vergleichbar und anrechenbar würden. Das biete für die Studenten und Absolventen mehr Chancen und Möglichkeiten, international zu agieren. "Absolventen müssen sich einem internationalen Wettbewerb stellen und dazu müssen wir sie an den Universitäten entsprechend rüsten", sagte Karl.

Dass viele kritisieren, die Mobilität habe in den vergangenen Jahren abgenommen, hat für Karl "nicht unbedingt mit Bologna zu tun". Die mangelnde Anrechnung von Studienleistungen verschiedener Universitäten finde man auch in Fachbereichen, die noch gar nicht auf Bologna umgestellt hätten, wie den Rechtswissenschaften. "Das ist ein Problem, das Bologna in die Schuhe geschoben wird", sagte die Ministerin, die noch kein ausreichendes Maß an Verständnis für Bologna ortet. "Das ist wie mit Europa insgesamt, dem man gerne alle Schuld zuschiebt. Und im Hochschulbereich soll plötzlich Bologna an allem Schuld sein."

"Gibt den Studenten nötiges Rüstzeug"

Für Karl bedarf es deshalb einer stärkeren Klarstellung, wofür Bologna eigentlich stehe und worin der Mehrwert liege. "Bologna bietet zahlreiche Chancen für unsere Studierenden." Absolventen stünden in einem harten internationalen Wettbewerb, auf den sie an den Unis vorbereitet werden müssten. "Die Umstellung auf Bologna-Architektur, die Europäisierung der Universitäten gibt den Studenten das nötige Rüstzeug für ihre weitere Erwerbstätigkeit mit", sagte Karl.

Viele Probleme seien auch auf die derzeitige "Übergangsphase" vom alten zum neuen Studienmodell zurückzuführen. Auch die Wirtschaft müsse sich noch umstellen, sagte die Ministerin in Richtung der Skepsis der Unis an der Arbeitsmarktfähigkeit der Bachelors.

Verbesserung der Studienpläne

Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht sie die Verbesserung der Studienpläne der Bachelorstudien. Dafür sollen im Wissenschaftsministerium Empfehlungen an die Unis erarbeitet werden. Die Frage der Rektoren im Zusammenhang mit dieser Ankündigung, warum denn das Ministerium dies besser wissen sollte als die Unis, beantwortet Karl so: "Hätten die für die Erstellung von Studienplänen verantwortlichen Senate und die von ihnen eingesetzten Curricular-Kommissionen ihre Aufgaben ordnungsgemäß wahrgenommen, hätten wir die Umsetzungsprobleme nicht." Weil es ihre Verantwortung sei, die Qualität an den Unis und in den Studienplänen sicherzustellen, müsse sie eingreifen, wenn das bisher nicht so erfolgt sei. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 51
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Franz Bim
 
00
13.3.2010, 11:46
Da meldet sich die richtige

Prinzipiell finde ich ja auch, dass Studierende mitgestalten sollten. Gerade aus dem Mund einer ÖVP-nahen Person klingt das allerdings wie Hohn. Gerade die die ÖVP-nahe AG ist es doch, deren Mitgliedern man zu oft vorwerfen muss, ein zuvor noch nie dagewesenes Desinteresse an der Mitgestaltung an den Tag zu legen und fast ausschließlich parteipolitisch tätig zu sein.

Stichwort: Scheininskription

Erich Hartig
01
13.3.2010, 01:00
seit Jahren hat der Mittelbau und die Studenten nichts mitzureden

und jetzt tut Karl so, wie wenn diese an der Misere schuld wären!

Nach dem Ö1 Interview mit der EU Kommissarin hat man den Eindruck dass diese wesentlich mehr Verständnis für die Anliegen der Ö Studenten hat als Karl. Doch noch Chancen für Verbesserungen?

Mathias
 
03
12.3.2010, 08:20
Hätten Unis Aufgaben ordentlich gemacht, gäbe es Probleme nicht

Ja und wem unterstehen diese Unis? Dem Ministerium, war doch klar daß sich hier nichts bewegen kann.

keep cool
20
11.3.2010, 16:11
Mitgestalten und Chancen-Denken wäre effektiver!

Karl sieht die derzeitige Situation realistisch, nimmt sich im Gegensatz zum Vorgänger kein Blatt vor dem Mund:
Bologna steigert Mobilität/Internationalität/Anerkennung,
Uni/FH-Absolventen müssen sich internationalen Wettbewerb stellen, Hochschulen sie qualitativ dafür rüsten,
Studienpläne der Unis wurden teilweise schlampig auf Bologna-Prozess umgestellt, das muss sich ändern,
Freier Zugang zu allen Massenstudien ohne Eingangsprüfung ist Illusion, weil qualitativ nicht vertretbar, in Massen zuströmende EU-Studenten verhindern notwendige Qualitätsstandards,
Anerkennung von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung muss verbessert werden, in USA/CA/GB steigen mehrheitlich bac. direkt ex Uni im Beruf ein!
Unbegrenzte Budgets sind Illusion!

ost bahn7
01
12.3.2010, 16:46
Die Studenten wollen mitgestalten

Die Studenten und viele Universitätslehrer gehen auf die Strasse, da ihnen die Mitgestaltungsmöglichkeiten durch das UG 2002 entzogen wurden.

VS.
02
12.3.2010, 10:43
höhere mobilität und employability? nichts als mythen

1. seitdem der bologna-prozess umgesetzt wird, gehen die erasmus-zahlen erstmals und kontinuierlich zurück. das ist auch logisch, da die bachelor-studien eine totale verschulung bedeuten und ein enormer zeitdruck auf die studenten erzeugt wird. wer nimmt sich da noch die zeit für ein auslandssemester, das sich nicht sofort ökonomisch rechnet?

2. eine überwältigende mehrheit von arbeitgebern hält den bachelor für keine vollwertige ausbildung, ebenso nur 15% der unis europaweit selbst der bund stuft bachelors nicht als a-beamte ein. auch die wissenschaftsministerin hat die frage, ob ein bachelor eine vollwertige ausbildung ist, vor ihrem antritt noch verneint, jetzt drückt sie sich um eine antwort herum.

keep cool
00
15.3.2010, 16:51
Wo bleibt der Druck der Studenten versus säumige Rektoren?

Das Problem mobility/employability betrifft offenbar mehr Unis als FH's! Einer meiner Söhne studiert Informationsdesign im Joanneum/Graz. Hier wird im 6. Semester ein Pflichtpraktikum, oft auch im Ausland - absolviert. Einige Studenten bauen zusätzlich ein Semester in ausländischen Partner-Hochschulen ein, Praxisbezogene Vorlesungen halten oft internat. Referenten. Studienreisen ins Ausland und Teilnahme an echten Projekten und Ausschreibungen finden auch während des Studiums statt!
Fr. Karl muss trotz Hochschul-Autonomie konsequent die Umsetzung der neuen Bologna-Prozess-Standards einfordern - und kontrollieren! Ferner braucht es mehr Info+PR bei UN/Verbände/Bund etc. wegen Ziele/Vorteile/Vollwertigkeit von BA + Einstufung als A-Beamte!

rorschach
00
11.3.2010, 23:42
kenn ma net - woll ma net

geht net - war schon immer so - hamma noch nie so gmacht - aber der x hat gsagt .... der österreichische weg probleme zu lösen - mit derart unkreativen ansätzen wird versucht die zukunft zu "verwalten" - gestalten schaut anders aus

Flann O'Brien
02
11.3.2010, 15:15
Wenigstens müssen sich unsere Politiker nicht dem internationalen Wettbewerb stellen.

Das wär' für sie und uns nur peinlich.

transwarp
02
11.3.2010, 15:05
Der Witz des Tages.

Die Betonierermafia lädt zum "Mitgestalten".

Siehe Beispiel SPÖ!

per verser
03
11.3.2010, 15:03
Die Rechnung ist nicht aufgegangen.

Die ÖVP mag sich gedacht haben: Lassen wir uns ein bissl Zeit mit der Hahn-Nachfolge, die Karl ist außerdem eine Frau und obendrein wirkt sie zurückhaltender als der Hahn, und das wichtigst ist ohnehin, daß wir unser Programm auf Schiene haben und es weiterführen.

Es ist gut, daß die neue Universitätsverweserin keine Atempause und keinen EinsteigerInnenbonus bekommt - als Wissenschaftsministerin muß sie "sich internationalen Wettbewerb stellen"... und wenn man sich ansieht, wie in Deutschland auf die StudentInnenproteste reagiert wurde, kann man nur sagen: Die Frau Karl hat sich schon in der Vorausscheidung disqualifiziert.

Ich freue mich, daß die StudentInnen sich der totalitären Doktrin der Rechten entgegenstellen.

Protagoras v. Abdera
14
11.3.2010, 14:38
Karl soll zurücktreten statt zu schwadronieren

martial
14
11.3.2010, 14:33
"Die Studierenden sollen mitgestalten, anstatt zu demonstrieren"

Jeglicher studentischer Mitgestaltungswille bricht seit Gehrer immer wieder an einem bildungsfeindlichen, ÖVP-geführten Wissenschaftsministerium. Studenten werden nur noch gehört wenn die Universitäten in Form einzelner Rektoren und Professoren dem entgegen kommt, was teilweise ja auch der Fall ist.

Wenn diese Bereitschaft fehlt bleibt nur noch das demonstrieren übrig, freiwillig hören die meisten, besonders die Wissenschaftsminister, nämlich schon mal gar nicht zu.

scala2
31
11.3.2010, 14:25
Demonstrieren ist lustiger!

VS.
15
11.3.2010, 14:22
wir würden gerne mitgestalten

wenn die övp endlich das feld räumen und platz für eine moderne bildungspolitik ohne "ständeschranken" machen würde.

was karl unter "mitgestalten" versteht, ist dagegen ein feigenblatt-dasein ohne irgendeine mitbestimmung, während övp und freunde in ruhe weiter am neoliberalen universitäts-zerstörungsprojekt weiterarbeiten können.

supersepp
12
11.3.2010, 14:09
kuchen essen

sollen sie!

byron sully
04
11.3.2010, 13:46

so was nennt sich zynismus (und so was nennt sich leider wissenschaftsministerin).

qwertztt
00
11.3.2010, 13:24
Auf zur Mitgestaltung!

Los Studierende auf zum Gipfel zum "Public Space" und mitgestalten...

Dort gibts sicher ein Buffet, wo Studierende mitgestalten, d.h. essen, dürfen...

(und dann brav mitnicken, und wichitg, merken: JA, ernährer)

magda_lena
16
11.3.2010, 13:08

zynischer geht's wohl kaum mehr: zuerst die Drittelparität abschaffen und dann den Studierenden vorwerfen, dass sie nicht mitgestalten....

rae spiegel
 
00
11.3.2010, 13:18
drittelparität

war diese woche zum ersten mal in einem gremium (curriculare Arbeitsgruppe) wo eine drittelparität herrschte und ich muss sagen, das ist nicht wirklich das gelbe vom ei!

erstens haben die profs einen wissensvorsprung, weil untereinander quasi schon alles abgemacht war, und zweitens egal was von studi-seite kam, die profs sind immer zweimal soviele. demokratisch und mitbestimmung nenn ich das auch nicht!

Franz Bim
 
00
13.3.2010, 12:51

Anders als in der Mittelschule, sind an der Hochschule nicht alle Lehrende "Profs". Woran es liegen könnte, dass sich bei euch der Mittelbau mit den "Profs" gegen die Studierenden verschwört, dürft ihr selbst herausfinden.

supersepp
01
11.3.2010, 14:10
häh?

die profs sind immer doppelt so viele? bei drittelaparität? hoffe sie sind kein mathematiker.

rae spiegel
 
00
13.3.2010, 22:29
im mittelbau sind bei uns ebenfalls ausschließlich profs vertreten.

das ist die "drittel"parität des systems, nicht meine mathematische unfähigkeit...

supersepp
00
13.3.2010, 23:08
wie soll das gehen?

mittelbau != professor

Horstl Schorschl
02
11.3.2010, 13:05
Die Karl sollte ihren Job erledigen...

und mal Grundvoraussetzungen für die Zukunft unserer Jugend schaffen und ned blöd herumsudern und weinen.

Leute wie sie und ihre Partei sind es doch die jegliches mit gestalten unmöglich machen.

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