PR-Profis: Mit ihren umstrittenen Äußerungen hat Rosenkranz ihren Hauptgegner gestärkt
Wien - "Aus meiner Sicht hat sie sich vor allem selbst geschadet", sagt Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Es schien alles so gemächlich dahinzuplätschern. Heinz Fischer als Amtsinhaber, die Wiederwahl vor Augen. Grün und Schwarz, die daher auf eigene Kandidaten verzichteten. Dann kam Barbara Rosenkranz. Und hatte das NS-Verbotsgesetz infrage gestellt. Es kollidierte ihrer Meinung nach mit dem Recht auf Meinungsfreiheit. Zudem wollte sie die Existenz der Gaskammern während des Dritten Reiches nicht mit einem klaren "Ja" beantworten. Die FPÖ-Herausforderin hat damit für gehöriges Getöse im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am 25. April gesorgt - wenn auch nicht ganz freiwillig. Oder?
Fischer sei bis zu den umstrittenen Äußerungen vor dem Problem gestanden, wie er seine Wähler mobilisieren kann, analysiert Filzmaier. "Kein Thema eignet sich da besser als der Kampf gegen rechts." Umgekehrt könne Rosenkranz nur bei jener Klientel punkten, "die sie so und so schon hat": dem ganz rechten Kern. "Gemäßigte Rechte, die zwischen ÖVP und FPÖ pendeln", könne Rosenkranz so nicht gewinnen: "Die wechseln zu Fischer oder werden Nichtwähler."
Auch für Berater Wolfgang Rosam ist Rosenkranz als Option für ÖVP-Wähler "vom Tisch" : "Das war eine Entlarvung vor jenen in der ÖVP, die gedacht haben, dass sie wählbar ist." Und der "braune Bodensatz hätte sie sowieso gewählt" . Rosam will dennoch nicht ausschließen, dass es die blaue Präsidentschaftskandidatin über 30 Prozent schafft, warnt aber vor Interpretationen, diese Wählerschaft mit rechten Sympathisanten gleichzusetzen - "da sind viele Protestwähler dabei" .
PR-Berater und SPÖ-Bundesrat Josef Kalina glaubt, dass Strache mit der Nominierung von Rosenkranz "einen Fehler gemacht hat". Kalina:"Ausgerechnet eine Partei, die so erpicht darauf ist, bei der Jugend anzukommen, schickt das Modell Winterhilfswerk ins Rennen", wundert er sich. Sein Fazit: "Sie macht Politik für das rechtsextreme Lager - und benutzt das Strache-Vehikel dafür."
Jetzt eben wieder mit Unterstützung der Kronen Zeitung. Deren Chef Hans Dichand hatte der blauen Kandidatin ob ihrer NS-Verirrungen kurzfristig die Unterstützung versagt, ist nach der eidesstattlichen Erklärung aber wieder besänftigt. Damit ist die Krone als Machtfaktor bislang wohl Heinz Fischers stärkster Widerpart, wenn seine Sprecherin, Astrid Salmhofer, auch relativiert:"Die Krone ist ein wichtiger Faktor, aber man darf sie auch nicht überschätzen." Fischer sei jedenfalls geradlinig geblieben, habe seine Werte, "an die er sich hält". Also rechnet man in der Präsidentschaftskanzlei: Wenn Dichand und Rosenkranz zur nächsten Breitseite gegen die EU ausholen, "dann laufen uns die Wirtschaftsleute zu" .
Der Wahlkampfleiter von Rosenkranz, FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, fürchtet bereits jetzt eine Benachteiligung seiner Kandidatin im ORF. Da tut Schützenhilfe der Krone gut: "Eine Synergie, die man gerne annimmt." Noch stehe man am Anfang des Wahlkampfes, die laufende Diskussion wertet er als "konzertierten Angriff" der Konkurrenz. Was er erwartet: dass Fischer direkte Duelle "meiden wird wie der Teufel das Weihwasser" .
"Soll er sich jeden Tag mit Rosenkranz beschäftigen?", fragt PR-Berater Kalina. Dass Fischer derzeit weniger präsent ist, entspricht für den Politologen Filzmaier der "klassischen Amtsinhaberstrategie": "Außer staatstragend wird er nicht auftreten." Für Rosam braucht Fischer gar keinen Wahlkampf führen: "Die Plakate können wir uns alle sparen." (Peter Mayr/Karin Moser, DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2010)