"Winterhilfswerk" beschert Fischer Frühlingslaune

10. März 2010, 18:37
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    foto: apa/neubauer

    Bundespräsident Heinz Fischer hatte bisher eine Sorge: Wie mobilisiere ich meine Wähler? Dank der FP-Konkurrentin Barbara Rosenkranz könnte sich das Problem jetzt erledigt haben.

PR-Profis: Mit ihren umstrittenen Äußerungen hat Rosenkranz ihren Hauptgegner gestärkt

Wien - "Aus meiner Sicht hat sie sich vor allem selbst geschadet", sagt Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Es schien alles so gemächlich dahinzuplätschern. Heinz Fischer als Amtsinhaber, die Wiederwahl vor Augen. Grün und Schwarz, die daher auf eigene Kandidaten verzichteten. Dann kam Barbara Rosenkranz. Und hatte das NS-Verbotsgesetz infrage gestellt. Es kollidierte ihrer Meinung nach mit dem Recht auf Meinungsfreiheit. Zudem wollte sie die Existenz der Gaskammern während des Dritten Reiches nicht mit einem klaren "Ja" beantworten. Die FPÖ-Herausforderin hat damit für gehöriges Getöse im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am 25. April gesorgt - wenn auch nicht ganz freiwillig. Oder?

Fischer sei bis zu den umstrittenen Äußerungen vor dem Problem gestanden, wie er seine Wähler mobilisieren kann, analysiert Filzmaier. "Kein Thema eignet sich da besser als der Kampf gegen rechts." Umgekehrt könne Rosenkranz nur bei jener Klientel punkten, "die sie so und so schon hat": dem ganz rechten Kern. "Gemäßigte Rechte, die zwischen ÖVP und FPÖ pendeln", könne Rosenkranz so nicht gewinnen: "Die wechseln zu Fischer oder werden Nichtwähler."

Auch für Berater Wolfgang Rosam ist Rosenkranz als Option für ÖVP-Wähler "vom Tisch" : "Das war eine Entlarvung vor jenen in der ÖVP, die gedacht haben, dass sie wählbar ist." Und der "braune Bodensatz hätte sie sowieso gewählt" . Rosam will dennoch nicht ausschließen, dass es die blaue Präsidentschaftskandidatin über 30 Prozent schafft, warnt aber vor Interpretationen, diese Wählerschaft mit rechten Sympathisanten gleichzusetzen - "da sind viele Protestwähler dabei" .

PR-Berater und SPÖ-Bundesrat Josef Kalina glaubt, dass Strache mit der Nominierung von Rosenkranz "einen Fehler gemacht hat". Kalina:"Ausgerechnet eine Partei, die so erpicht darauf ist, bei der Jugend anzukommen, schickt das Modell Winterhilfswerk ins Rennen", wundert er sich. Sein Fazit: "Sie macht Politik für das rechtsextreme Lager - und benutzt das Strache-Vehikel dafür."

Jetzt eben wieder mit Unterstützung der Kronen Zeitung. Deren Chef Hans Dichand hatte der blauen Kandidatin ob ihrer NS-Verirrungen kurzfristig die Unterstützung versagt, ist nach der eidesstattlichen Erklärung aber wieder besänftigt. Damit ist die Krone als Machtfaktor bislang wohl Heinz Fischers stärkster Widerpart, wenn seine Sprecherin, Astrid Salmhofer, auch relativiert:"Die Krone ist ein wichtiger Faktor, aber man darf sie auch nicht überschätzen." Fischer sei jedenfalls geradlinig geblieben, habe seine Werte, "an die er sich hält". Also rechnet man in der Präsidentschaftskanzlei: Wenn Dichand und Rosenkranz zur nächsten Breitseite gegen die EU ausholen, "dann laufen uns die Wirtschaftsleute zu" .

Der Wahlkampfleiter von Rosenkranz, FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, fürchtet bereits jetzt eine Benachteiligung seiner Kandidatin im ORF. Da tut Schützenhilfe der Krone gut: "Eine Synergie, die man gerne annimmt." Noch stehe man am Anfang des Wahlkampfes, die laufende Diskussion wertet er als "konzertierten Angriff" der Konkurrenz. Was er erwartet: dass Fischer direkte Duelle "meiden wird wie der Teufel das Weihwasser" .

"Soll er sich jeden Tag mit Rosenkranz beschäftigen?", fragt PR-Berater Kalina. Dass Fischer derzeit weniger präsent ist, entspricht für den Politologen Filzmaier der "klassischen Amtsinhaberstrategie": "Außer staatstragend wird er nicht auftreten." Für Rosam braucht Fischer gar keinen Wahlkampf führen: "Die Plakate können wir uns alle sparen." (Peter Mayr/Karin Moser, DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 80
1 2 3
Der Waehlerwille
 
03
11.3.2010, 23:13
ich gestatte mir das statement.

jeder der Rosenkranz wählt, ist ein na#i.

und outet sich damit als solcher.

diese präsidentenwahl ist in wahrheit eine volkszählung. "wieviele deutschnationale/na#is gibt es tatsächlich in österreich"

anne.sche
00
12.3.2010, 19:24
und

wir haben frei, geleiche und geheime wahlen

wie will man also feststellen, WER WIE gewählt hat?

Der Waehlerwille
 
00
12.3.2010, 22:30
wer .. ist egal ..

wieviele .. ist der punkt.

motd
11
12.3.2010, 10:15
Ja und

sie verwechseln Statements mit Engagement gegen rechts.
Alle als Nazis zu bezeichnen, da "fühlt" man sich gleich amoi besser, ändern tuts nix.
Politik is a bisserl komplexer als Sie, oder die Rosenkranz glauben.
SCNR

Der Waehlerwille
 
01
12.3.2010, 22:30
wer nazis wählt is ein nazi.

oh yeah, just eat 'em!
08
11.3.2010, 17:25

Nein. Diesmal sind da KEINE Protestwähler dabei. Denn diesmal gibt es keine Ausreden von wegen nicht gewusst, nicht gesehen, wasauchimmer. Diesmal wird das eine klare und eindeutige Nazizählung.

Johann Klawatsch
 
51
11.3.2010, 16:23
Kompetenz statt Peinlichkeiten

Bundespräsidentenwahl 2010
Ab sofort unter www.mitwirken.eu / Leben leben ... zum Download verfügbar, meine fiskalpolitischen Vorstellungen ...
JOHANN KLAWATSCH als Bundespräsident!
LEBEN-MENSCHSEIN-DEMOKRATIE

Aus wissenschaftlicher Sicht plädiere ich für einen monetären Basissatz und einen erweiterten wirtschaftlichen Low-Sektor, damit lösen sich alle fiskalen und wirtschaftlichen Krampflösungen von heute nachhaltig ...

ÖsterreicherInnen, entscheiden Sie sich bitte für den Kandidaten mit zukunftweisendem Programm - besten Dank!

Mucosaprolaps
09
11.3.2010, 17:32

Und das ist dir nicht peinlich?

jack_doe
 
150
11.3.2010, 15:21

ob sich der Heinzi nicht ein bisserl zu Früh freut?
Gewinnen wird er, dass sei ORF gedankt, aber ob der Abstand nicht beschämend klein wird......

Mutantenwastl
08
11.3.2010, 16:46

Der "Heinzi" freut sich erst, wenn die Frau Rosenkranz wieder in der niederoesterreichischen Versenkung verschwunden ist. Ich freu mich dann auch. Mit dem "Heinzi"!

El Rick
40
11.3.2010, 14:30
Für Rosam braucht Fischer gar keinen Wahlkampf führen

Allerweil des wär immer so. Die allgegenwärtigen Belästigungen (Spots, Plakate) gehen mir bei jedem Wahlkampf auf die Nerven.

Ich bin ja gespannt, wie die FP am Sonntag bei den Gemeinderatswahlen abschneidet. Da gibts ja in NÖ jede Menge Rosenkranz auf Plakaten zu sehen.

Gewissenhaft
119
11.3.2010, 14:22
Kickl befürchtet, dass es zu einer Benachteiligung seiner Kandidatin im ORF

kommen könnte. Na, was er nicht sagt. Ich finde es eine absolute Schande, dass eine Person wie Rosenkranz überhaupt noch in den Medien transportiert wird und ihr die Gelegenheit gegeben wird, ihre entsetzlichen, aus tiefster Überzeugung von sich gegebenen Aussagen, relativieren zu dürfen. Diese Frau ist eine Zumutung für ein angeblich zivilisiertes Land. Das, was die Nazis hier vor nicht allzu langer Zeit angerichtet haben, ist das Verabscheuungswürdigste, das es je gegeben hat. Wie kann ein Medium einer Barbara Rosenkranz eine Bühne bieten, wie kann eine solche Frau überhaupt für das Präsidentenamt in Frage kommen???? 2010!!, 65 Jahre nach dem Ende einer der größten humanen Katastrophen, die es je gab. Österreich wird mir immer fremder!

naja2009
 
03
11.3.2010, 18:14
...Österreich wird mir immer fremder...

das plakatieren die von der FPÖ auch permanent!

wb0711
01
11.3.2010, 14:33
Ö braucht ihnen nicht fremd werden!

diese tendenzen sind nur das ergebnis der jahrelang verfehlten politik - das ist lediglich die reaktion drauf!

agarthianer
00
11.3.2010, 14:18
der Wissenschaftsminister & unser Udo

http://derstandard.at/126774372... eben-Leute

gesundheitsministerium@wko.at
00
11.3.2010, 14:43


da war er wahrscheinlich im "klub 00" (aka WC)

Laandaks
05
11.3.2010, 11:30
Vor der Wahl weiß man's schlechter... Hier kurz ein paar Thesen:

1. F.s Wiederwahl stand nie in Zweifel - deshalb stellten andere gar keine Kandidaten auf.
2. R. kann sich nicht richtig schaden: Die Protestwähler sind ihr sicher, die rechten & ultrarechten sowieso (denn denen ist die eidesstattliche Erklärung wurscht: sie wissen, die ist nix wert).
3. Das einzige, was interessant wird, ist der Prozensatz, den R. erreicht. Wenn jetzt Politologen & Co. wieder anfangen, F. wäre nun noch ungefährdeter, vergrößern sie die Zahl der Nichtwähler.
4. R. in allen Gassen (Zeitungsspalten) = Publicity pur für Strache. Und leider auch Wasser auf die Mühlen der Stammtischhistoriker, die da meinen: So oarg wors wieder a net. Und die Rosenkranz traut si wos…
5. In diesem Sinn: Nach der Wahl wissen wir’s besser.

Flohsamenschale
010
11.3.2010, 11:22
Bildung

Ich dachte immer, Menschen, die eine politische Laufbahn ergreifen, verfügen über ein erhöhtes politisches und historisches Interesse und eine entsprechende Bildung, die über den Schullehrstoff hinausgeht. Und das nicht beschränkt auf die nationale Historie, sondern ausgedehnt auf die Weltgeschichte und die Weltpolitik. Und Herzensbildung? - hoppla, das ist mir grad so rausgerutscht. Wenn ich mir unsere politische Landschaft ansehe.....ich glaub', ich muss grad mal kotzen.

Dilbert
335
11.3.2010, 10:44

Fischer ist ein sehr guter Bundespräsident.

Entropix
71
11.3.2010, 18:21
aber wozu, bitte,

braucht Österreich überhaupt einen Bundespräsidenten?

Michael Kolhaas
 
06
11.3.2010, 12:46
Naja...

... ich würde eher sagen, er ist ein österreichischer Bundespräsident von klassischem Zuschnitt. Nirgendwo anecken, zu nichts so oder so sagen - damit ihm später niemand vorwerfen kann, er hätte damals so oder so gesagt.

Dieses Verhaltensmuster zieht sich wie ein roter Faden durch Fischers gesamte Politikerkarriere. Damit schwamm er in der SPÖ automatisch immer oben, egal wer die Partei gerade führte... oder zu führen versuchte.

Die Naziszene samt ihrer Krone hatte ihm einen Ball vor die Füße gelegt. Würde er jetzt beherzt schießen, würde er als Ausnahmepräsident in die Geschichte eingehen. So aber bleibt er eine blasse Gestalt von vielen...

Henry Flower
06
11.3.2010, 14:07
Nirgendwo anecken

Der BP hat einfach nicht in die Tagespolitik einzugreifen.

Er hat aber den verfassungsmässigen Rahmen dafür zu vertreten. Das tut Fischer meistens sehr gut und nicht ohne Schärfe.

Beim "subjektiven Sicherhsitsgefühl" der BurgenländerInnen hätte ich mehr Härte gewünscht, der Ass.-Einsatz steht sicher in einem Spannungsverhältnis zur Verfassung, aber wenn er (und mgl. der BK auch) schon gewusst hat was der RH sagen würde, dann kann ich sogar in der Ausdrücksweise "...hat einen gewissen Wert" durchaus einen Fingerzeig an die Regierung erkennen.

standardabweichung
25
11.3.2010, 09:03

auch bezeichnend für kalina wenn er so locker vom hocker vokabel wie winterhilfswerk in die diskussion einbringt. er bescheinigt sich so aber nur zynismus und mangel an empathie was seine traurige performance aber umso besser verstehen lässt

Henry Flower
14
11.3.2010, 14:08
der kalina ist indiskutabel,

des wissma aber schon länger.

Nous
017
11.3.2010, 08:49
Sehr umsichtig von Rosam...

In seiner unvergleichlich distinguierten Art und Weise, liefert er der schwarzen Klientel mit "da sind viele Protestwähler dabei", ganz en passant eine Schad- und Klagloserklärung frei Haus.
Sehr reizend von ihm.

Wohl in weiser Voraussicht des 'kleinen Hoppalas' der tiefschwarzen Leistungsträger, die -wirklich nur aus 'Protest' und weil sie des Denkens nicht mächtig sind- die Kellernazisse wählen.

...und so serviceorientiert.

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