Lobbyisten gegen Obamas Bankensteuer

18. Jänner 2010, 21:00

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Washington nicht von Horrormeldungen über die öffentlichen Defizite getroffen wird

Washington/Wien - Wie abgebrannt die öffentlichen Haushalte in den USA sind, werden die Bürger Arizonas in den kommenden Monaten hautnah zu spüren bekommen. Die Parkbehörde des Bundesstaates gab am Wochenende bekannt, aus Geldmangel 13 der 22 Parkanlagen für unbestimmte Zeit schließen zu müssen.

Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem Washington nicht von Horrormeldungen über die öffentlichen Defizite getroffen wird. Zugleich machen Rekord-Boni der Banker Schlagzeilen. Ein von US-Präsident Barack Obama vorgestellter Plan, um die Aufregung zu dämpfen und zusätzliche Mittel in den Haushalt zu spülen, stößt dennoch auf heftigen Widerstand.

Obama hatte eine Sonderabgabe für Banken vorgeschlagen. Wie die New York Times am Montag berichtete, hat die Securities Industry and Financial Markets Association, die größte Interessenvertretung der Banken in den USA, eine Kampagne gegen die Steuer angekündigt. Geprüft wird auch eine Klage. Der Verband hat den Wall-Street-Rechtsanwalt CarterG. Philips engagiert, der bereits 40 Fälle vor dem US-Höchstgericht verhandelt hat.

Über das Wochenende brachten sich jedoch auch die Unterstützer Obamas in Stellung. Die Initiative "Americans for Financial Reform" (AFR), ein Dachverband mit 200 Organisationen, darunter der Pensionistenverband mit 40 Millionen Mitgliedern, hat dem Präsidenten ihre volle Unterstützung zugesagt. "Die US-Banken haben 1,5 Billionen Dollar an Krediten von der Nationalbank erhalten" , "fast kostenlos" , sagt AFR-Sprecherin Nicole Tichon. Der Vorschlag Obamas sei ein erster wichtiger Schritt.

Aus der Schweiz und Großbritannien kamen ablehnende Stellungnahmen auf den Wunsch, ähnliche Steuern aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit einzuführen.

"Banken zur Kasse bitten"

Hingegen will Bundeskanzler Werner Faymann eine Bankensteuer nach Art des Obama-Vorschlags dem Koalitionspartner ÖVP vorschlagen. "Es sollen die zur Kasse gebeten werden, die bisher durch das Bankenrettungspaket vom Steuerzahler geschützt wurden", bestätigte Faymann-Sprecher Leo Szemeliker dem Standard einen diesbezüglichen Bericht der Kronen Zeitung.

Der Vorschlag einer Bankensteuer sei eine Diskussionsgrundlage, die in die Debatte einfließen soll, wie der Staatshaushalt nach den Rettungsmaßnahmen konsolidiert werden kann, heißt es. Eine Massensteuer schließe Faymann zur Konsolidierung aus. Faymann will rund 500 Mio. Euro aus einer solchen Steuer lukrieren. Vizekanzler Josef Pröll, VP, hat bereits Ende vergangener Woche eine Bankensteuer ausgeschlossen.

Obama will die Details seiner Abgabe im Februar vorstellen. Angedacht ist eine Steuer von 0,15 Prozent auf Bankenvermögen. Die Steuer könnte 90 Milliarden Dollar bringen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.01.2010)

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Posting 1 bis 25 von 72
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Cornwell
00
19.1.2010, 14:45

"Eine Demonstration in New York will auf die horrenden US-Staatsschulden aufmerksam machen. Die Bankensteuer, die Obama vorschlägt, soll einen Beitrag zur Sanierung des Haushaltes leisten."

Ich hab mal wo gehört, dass weniger Geld ausgeben auch sanierende Effekte fürs Budget haben sollen, gar nicht so unwesentliche...angeblich, sagt man...

h h h
01
19.1.2010, 14:06

und wie wird gewährleistet, dass die steuern nicht einfach an die kunden weitergegeben werden? nur so eine frage...

buzzrider
00
19.1.2010, 12:36
umferteilung superreich auf reich

amerika hat ein umverteilungsproblem, die reichen wollen das geld das sie vorher vom steuerzahler abgeschöpft haben nicht mehr hergeben.

in österreich ist es ähnlich - ÖVP (Pröll) sagt immer nein zu vermögenssteuern & bankensteuern - so kann das nicht weiter gehen - SPÖ und die opposition muss hier mehr druck machen und die bevölkerung muss ihr dabei helfen unabhängig wie lächerlich manche die person feymann hier finden- die SPÖ ist die partei die hier wichtig ist, denn von alleine wird die ÖVP ihre klientel nicht besteuern ;)
my 5cents

Cornwell
20
19.1.2010, 12:04
Entweder

kennt sich Mr. Obama nicht aus oder er ist einfach unaufrichtig. Warum soviele Boni ausgeschüttet werden ist ganz klar: weil alle durch die Bank gerettet wurden, billige Kredite bekommen und so die letzte Nonne zum spielsüchtigen Junkie werden muss. Deshalb braucht es keine Bankensteuer, die ja dann auch seriöse Akteure treffen würde, sondern ein grundsätzliches Umdenken in der Wirtschafts-, namentlich Rettungspolitik.

Den Vogel abschießen tut sowieso wieder einmal Faymann. 500 Millionen mit einer nationalen (somit den Standort schädigenden) Banksteuer - gleichzeitig wird der Raiffeisen ein Vielfaches zugesteckt, wenn sie wieder mal was braucht. Das ist es dem Pröll schließlich wert.

Alex79
02
19.1.2010, 13:13
Standort Schwindel

Sehn Sie, das mit dem Standortnachteil ist meiner Meinung nach der groesste Trick Schwindel in der Geschichte des Kapitalismus.

Zum Beispiel: Banken und Investmentfonds pochen darauf, Bonuszahlungen seien unabdingbar, weil sonst die besten Koepfe abwandern wuerden. Die Frage die niemand stellt ist, wohin diese Leute dann wandern wuerden. Die Jobs sind ja auch in dem Sektor nicht unlimitiert.

Das ist das selbe mit Industrie, die ja angeblich wegen CO2 Steuern sofort abwandern wuerde, mit Betrieben, die ohne Zuschuesse abwandern wuerden, der Reichensteuer usw, usw.. Ein bissl Koordination, zumindest in der EU (Aufgabe der Steuerhoheit, zB) wuerde dem sofort ein Ende setzen.

Cornwell
00
19.1.2010, 14:44

Das ist kein Schwindel, sondern simpelste Logik. Nichts ist so mobil wie Kapital und das sucht sich nun mal die höchste Rendite - vollkommen klar. Steigen die Steuern in einem Land sinkt die Rendite des dort angelegten Kapitals und es wird als Veranlagungsort relativ unattraktiver - logisch und simpel.

Womit Sie vollkommen Recht haben, ist, dass man daher ein derartiges Vorgehen nur sinnvoll durch internationale Koordination umsetzen kann, da sonst genau die von mir beschriebenen negativen Auswirkungen schlagend werden. Deshalb habe ich auch Faymanns Vorschlag einer *nationalen* Steuer kritisiert.

Der Punkt ist aber ein grundsätzl.: nicht Steuern helfen, sondern eine völlig andere Geldpolitik bzw. Verzicht auf umfassende Rettungsaktionen.

Happels Erben
02
19.1.2010, 11:55
Das wird ein interessantes politisches Jahr

die ÖVP will ihr Transferkonto damit sie die Neiddebatte starten kann und im Zuge dieser die Sozialleistungen streichen. Die Roten kommen aus der komplett anderen Richtung und wollen die Banken besteuern (da wär auch wesentlich mehr Geld zu holen als bei den Sozialleistungen).

Noch dazu sind Landtagswahlen in Stmk, Bgld und Wien und die Braunen (Blauorange) haben sich wieder gern.

Das riecht nach Neuwahlen.

1116er
00
19.1.2010, 11:51
schickt die bankmanager und ihre lobbyisten

durch den nacktscanner!

seltsam: mit terroristen, die im vergleich zu diesen herrschaften nur lächerlich geringe schäden anrichten, gehen die usa nicht so ängstlich um.

victor lazlo
05
19.1.2010, 11:04
Lobbyisten haben ...

... obamas Gesundheitsreform verhindert und damit den Tod von tausenden Menschen verschuldet.

Jetzt verhindern Lobbyisten, dass die Schulden von den Banken zurückgezahlt werden, die hunderte Millionen Menschen weltweit arm und arbeitslos gemacht haben.

Obama sollte sich im "Kampf gegen den Terror" auf die Lobbyisten konzentrieren, das würde mehr Menschenleben retten als der Afghanistan-Einsatz!

Flann O'Brien
24
19.1.2010, 09:38
Mei liab!

"Will Faymann der ÖVP vorschlagen..."
Und die Raiffeisen-Marionette wird sicher zustimmen.

leaping frog
10
19.1.2010, 09:55
gähn!!!

Kursanbot: Umschulung vom Einbrecher zum Bankster
02
19.1.2010, 09:38
Will man uns ver...?

Jetzt hab' ich grad erst die Umschulung gemacht, um ohne Angst vor Polizei absahnen zu können
und jetzt will man mich besteuern?

Kommt gar nicht in Frage, wir zahlen nichts!

cipf
 
15
19.1.2010, 09:31

Nix gegen eine "Bankensteuer" - aber wie verhindern, dass diese 1:1 an die Kunden weitergegeben wird?

Finn McCool
00
19.1.2010, 10:30
Die Kunden können sich schon selbst wehren

Zu den umsatzstärksten Kunden der österreichischen Banken gehören ja die Ost- und Balkanmafia (z.B. Hypo Alpe Adria!), und die sind recht wehrhaft.

cipf
 
00
19.1.2010, 12:32

Stimmt schon - aber Kunden und Kunden sind nicht immer gleich.
Klar, die Ostmafia kann sich wehren - aber Krethi und Plethi nicht.

Æsj
00
19.1.2010, 12:46

man bræuchte ja nicht alle banken besteuern, sondern nur die, die 'too big to fail' sind. der kunde kann dann immer nocht zu einer anderen gehen.

h h h
00
19.1.2010, 14:08

wo liegt die grenze? außerdem sind schon sehr viele die nicht "too big to fail" sind, in den konkurs geschickt worden...

Beamselter Staatsdiener schaut täglich fern
25
19.1.2010, 09:25
>>Vizekanzler Josef Pröll, VP, hat bereits Ende vergangener Woche eine Bankensteuer ausgeschlossen.<<

Hat wirklich jemand erwartet, dass der Kommerzgesteuerte seinen Haberern, mit denen er am Opernball Champagner schlürft, die Feierlaune verdirbt?

Er will Schulterklopfen, keine argwöhnischen Blicke der Banksterkumpels.

victor lazlo
011
19.1.2010, 09:20
Das wäre der richtige Moment für die TobinTax ...

... eine geringe Abgabe auf ALLE Kapitalbewegungen.

Das würde sich stabilisierend auf die Finanzmärkte auswirken, Sozialleistungen finanzieren und gleichzeitig die Verursacher der Krise - proportional - in die Pflicht nehmen.

Alle Länder die sich NICHT daran beteiligen sollten mit Strafzöllen belegt werden, bis sie ebenfalls mitmachen.

Cornwell
00
19.1.2010, 12:07

Die stabilisierende Wirkung der Tobin Tax ist eine Phantasie, reine Kosmetik. Eine Wohlfühlmaßnahme ohne Substanz.

Das einzige was die Finanzmärkte stabilisieren kann und uns vor so hohen Volatilitäten schützen kann, wie wir sie in den letzten Jahren mit allen Konsequenzen gesehen haben, ist eine veränderte Auffassung der Geldpolitik: namentlich: wenn wir die Märkte nicht mit Tonnen von Billiggeld fluten, dann blasen wir auch nicht jede Fluktuation zur Mörderblase auf.

Hier liegt der wahre Hund begraben!

victor lazlo
00
19.1.2010, 12:53
Zumindest sehen das die Verursacher so ;-)

der afrikaner
00
19.1.2010, 11:46
gute idee

endlich mal ein kostruktiver und sinnvoller vorschlag

leaping frog
10
19.1.2010, 10:04
wenn die eu es enführt, gibt es eh kein weg mehr vorbei.

in prinzip wird auch die tobin-steuer die spekulanten nicht abhalten. was macht schon 1% aus, wenn man sich 50% gewinn erhofft.

trotzdem bin ich auch dafür. eine einfache einnahmequelle. und ich bin auch dafür, dass es die eu direkt erhalten soll. dann wir es mehr bemühungen geben sie zu erhalten und andere staaten zu nötigen sie einzuführen.

victor lazlo
03
19.1.2010, 10:36
Grundsätzlich sind alle für eine TobinTax ...

(Attac-Forderung seit 10 Jahren!)

... sogar das EU-Parlament und Wolfgang Schüssel, aber es traut sich niemand die Ankündigung wahr zu machen.

Tatsächlich geht es um viel weniger als 1%, aber das reicht schon aus um die Finanzmärkte zu stabilisieren und Krisen zu verhindern.

Heute "handeln" auf den Finanzmärkten hauptsächlich Computer miteinander, weil die schneller reagieren können und marginalste Veränderungen ausnützen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Tobin_Tax

Cornwell
00
19.1.2010, 12:08

Tobin Tax wirkt bremsend. Das ist aber wurscht, wenn sie auf der anderen Seite aufs Gas steigen (Billiggeld in den Markt pumpen).

Der Grund für die hohen Volatilitäten ist nicht, dass es zuwenig Bremsung gibt, sondern zuviel Gas.

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